B-Zell-Zahl beeinflusst Risiko für Behinderungsprogression bei RMS und PPMS

14. Mai 2019 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten

Neue Daten vom AAN-Kongress

  • Neu ist die Erkenntnis, dass bei Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMSa) sowie früherb primär progredienter MS (PPMS) eine verringerte Behinderungsprogression im Zusammenhang mit einer erhöhten OCREVUS® (Ocrelizumab)-Exposition und der damit verbundenen Reduktion der B-Zell-Zahl steht.1
  • Ein früher Therapiebeginn mit OCREVUS reduziert das Risiko für eine anhaltende Behinderungsprogression signifikant.2,3 Dies zeigen aktuelle Langzeitdaten über mehr als 5 Jahre aus den offenen Verlängerungsphasen (OLE) der Zulassungsstudien OPERA I und II4 bei RMS sowie ORATORIO5 bei PPMS.2,3
  • Weltweit wurden in klinischen Studien und in der Praxis bisher über 100.000 Patienten mit OCREVUS behandelt.6 Die bei der 71. Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) in Philadelphia vorgestellten Daten spiegeln ein konsistent günstiges Nutzen-Risiko-Profil wider.

Aktuelle Daten von pharmakokinetischen und pharmakodynamischen Analysen sowie Expositionsanalysen zu OCREVUS lassen erstmals Rückschlüsse auf einen Zusammenhang zwischen der Exposition des Anti-CD20-Antikörpers und einem Effekt auf die Behinderungsprogression zu. So konnte nachgewiesen werden, dass eine höhere OCREVUS-Exposition mit einem verringerten Risiko einer Behinderungsprogression einherging – ohne das Sicherheitsprofil zu beeinflussen.1 Eine ausreichend hohe Antikörper-Exposition und eine damit verbundene effektive B-Zell-Depletion scheinen folglich wichtig für die Kontrolle der Behinderungsprogression zu sein. Sowohl bei RMS- als auch PPMS-Patienten verringerte sich unter OCREVUS im Vergleich zu Interferon (IFN) beta‑1a s.c. bzw. Placebo das Risiko einer bestätigten Behinderungsprogression über 24 Wochen (CDP24) mit zunehmender OCREVUS-Exposition.1 Diese Daten stützen den für OCREVUS angenommenen Wirkansatz, der durch eine effiziente B-Zell-Depletion bedingt ist.

Gabe von OCREVUS alle 6 Monate entscheidend

Die Tatsache, dass ein verringertes Risiko einer Behinderungsprogression bei Patienten mit höherer Antikörper-Exposition zu beobachten ist, weist darauf hin, dass die derzeit zugelassene Dosierungsempfehlung im unteren Bereich der Dosis-Wirkungskurve liegt.1 Um einen stabilen Behandlungseffekt auf die Behinderungsprogression zu erzielen, empfiehlt es sich daher, die in der Fachinformation angegebenen Infusionsintervallec von 6 Monaten einzuhalten.7 Auf diese Weise lässt sich eine ausreichende Exposition des Anti-CD20-Antikörpers und damit eine anhaltende B-Zell-Depletion sicherstellen.

Langfristig stabiler Therapievorsprung bei frühem Therapiestart

Daten der OLE zeigen, dass die in den Zulassungsstudien erzielte signifikante Reduktion der Behinderungsprogression sowohl bei Patienten mit RMS als auch PPMS über einen Beobachtungszeitraum von 5 bzw. 5,5 Jahren stabil bleibt.2,3 Eine aktuelle Auswertung untersuchte erstmals eine über 48 Wochen bestätigte Behinderungsprogression (CDP48) und bietet damit eine noch belastbarere Datenbasis. Die Ergebnisse übertreffen die bereits publizierten Daten über 24 Wochen: Durchgehend über insgesamt 5 Jahre mit OCREVUS behandelte RMS‑Patienten zeigten deutlich seltener eine CDP48, als Patienten, die erst nach 2 Behandlungsjahren mit IFN beta- 1-a s.c. auf den Anti-CD20-Antikörper wechselten (OPERA OLE: 10,4 % vs. 15,7 %; p = 0,004) (Abb.).2 Wie die Daten veranschaulichen, konnten früher mit dem Anti-CD20-Antikörper behandelte RMS-Patienten ihren erzielten Vorsprung gegenüber einem um 2 Jahre verzögerten Therapiestart halten (Abb).2 Bei Patienten mit PPMS (Daten der ORATORIO-Studie5 und ORATORIO OLE3) zeigte sich ein vergleichbares Bild: Erstmals konnte ein über 5,5 Jahre anhaltender Nutzen in Bezug auf die Entwicklung einer über 48 Wochen bestätigten Behinderungsprogression nachgewiesen werden.3 Der beobachtete Effekt in der OLE war konsistent zu dem der Doppelblindphase und konnte über verschiedene Zeiträume der OLE aufrechterhalten werden. Der Anteil der PPMS-Patienten mit einer CDP48 war in der Gruppe, die über 5,5 Jahre OCREVUS erhielt, deutlich geringer als bei den Patienten, die erst nach der 120-wöchigen Doppelblindphase von Placebo auf OCREVUS umstellten (43,7 % vs. 53,1 %; p = 0,03).3

Die aktuellen Daten und Analysen vom AAN-Kongress 2019 zeigen: Ein Wechsel auf eine hochwirksame Therapie wie OCREVUS lohnt sich bei jeglichem klinischen oder subklinischen Anzeichen von Krankheitsaktivität. Zudem scheint ein frühzeitiger Start einer OCREVUS-Therapie bei RMS und PPMS mit einem Vorteil in Bezug auf den späteren Behinderungsgrad einherzugehen.

5-Jahresdaten bestätigen erneut das vorteilhafte Sicherheitsprofil von OCREVUS

Die erste und aktuell einzige Therapie, die sowohl bei RMS (aktive schubförmig remittierende MS (RRMS) und sekundär progrediente MSd mit aufgesetzten Schüben) als auch bei früher PPMS zugelassen ist, konnte bei der AAN-Tagung erneut mit aktuellen Sicherheitsdaten überzeugen. Diese stammen von 4.501 Patienten mit RMS und PPMS – entsprechend 12.559 Patientenjahren (PJ).6 Die gepoolten Datene dieser Population bestätigen das günstige Sicherheitsprofil von OCREVUS: Die Rate unerwünschter Ereignisse pro 100 PJ blieb weiterhin konsistent zu denen aus kontrollierten Behandlungsphasen bei RMS4 und PPMS5. Die Rate schwerwiegender Infektionen pro 100 PJ zeigte einen Anstieg über die Zeit – eine Änderung hinsichtlich der Art und Muster konnte nicht beobachtet werden.6 Weltweit sind bis April 2019 mehr als 100.000 Patienten mit OCREVUS behandelt worden.6

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Opera

Abbildung: Der Anteil der RMS-Patienten mit einer CDP48 war bei Patienten, die über 5 Jahre OCREVUS erhielten, signifikant niedriger als bei denjenigen, die erst nach 2 Jahren (zu Beginn der OLE) von IFN beta-1a s.c. auf OCREVUS wechselten.2 Die Daten zeigen, dass ein früher Behandlungsbeginn mit einer langfristig verringerten Behinderungsprogression einhergeht.

a RMS (Relapsing Multiple Sclerosis) = Der Begriff RMS bezeichnet MS-Formen mit einem schubförmigen Verlauf: RRMS (schubförmig remittierende MS) und rSPMS (sekundär progrediente MS mit aufgesetzten Schüben).
b frühe primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS), charakterisiert anhand der Krankheitsdauer und dem Grad der Behinderung, sowie mit Bildgebungsmerkmalen, die typisch für eine Entzündungsaktivität sind.
c Anwendung: Das einfache Therapieschema beinhaltet eine Infusion alle 6 Monate (nach Initialdosis) ohne therapiebezogenes Monitoring zwischen den Dosierungsintervallen. Nach etwa 6 Stunden Behandlungsdauer (inklusive Vormedikation und Nachbeobachtung) profitieren die Patienten von 6 Monaten Therapiefreiheit.7
d SPMS (sekundär progrediente MS) = Verlaufsform, die aus einer schubförmig remittierenden MS (RRMS) hervorgeht, bei der die akut-entzündliche Aktivität in Form abgrenzbarer Schübe immer seltener wird oder ganz fehlt. Die neurodegenerativen ZNS-Veränderungen dominieren immer stärker und die Behinderung nimmt stetig zu. Wird die SPMS weiterhin von Schüben begleitet, spricht man von einer rSPMS (sekundär progrediente MS mit aufgesetzten Schüben).
e Die Sicherheitsanalysen schließen Daten aller RMS- und PPMS-Patienten ein, die mindestens eine Ocrelizumab-Infusion in folgenden klinischen Studien bis Juli 2018 erhalten haben (OCRELIZUMAB all-exposure population): Phase-II- und Phase-III-Studien sowie assoziierte offene Verlängerungsphasen, VELOCE, CHORDS, CASTING, OBOE, ENSEMBLE (Stand: Juli 2018).6

Referenzen

  1. Hauser SL et al., AAN 2019; Platform Presentation 001
  2. Hauser SL et al., AAN 2019; Poster 2-054
  3. Wolinksy JS et al., AAN 2019; Poster 2-031
  4. Hauser SL et al., N Engl J Med 2017; 376:221-234
  5. Montalban X et al., N Engl J Med 2017; 376: 209-220
  6. Hauser SL et al., AAN 2019; Poster 2-025
  7. Fachinformation OCREVUS®, Stand Oktober 2018

Über OCREVUS

OCREVUS (Ocrelizumab) ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der selektiv gegen CD20-positive B-Zellen gerichtet ist. CD20-positive B-Zellen sind spezielle Immunzellen, die vermutlich wesentlich zur Schädigung der Myelinscheide (Isolationsstruktur von Nervenzellfortsätzen), der Axone (Nervenzellfortsätze) und der daraus resultierenden Behinderung bei Patienten mit MS beitragen. Wie präklinische Studien gezeigt haben, bindet OCREVUS an CD20-Oberflächenproteine, die auf bestimmten B-Zellen exprimiert werden, nicht jedoch auf Stammzellen oder Plasmazellen. Deshalb bleiben wichtige Funktionen des Immunsystems erhalten.

Das klinische Entwicklungsprogramm der Phase III für OCREVUS (ORCHESTRA) umfasste drei Studien: OPERA I, OPERA II und ORATORIO. OPERA I und OPERA II waren identisch aufgebaute, randomisierte, doppelblinde, multizentrische Doppelstudien, die die Wirksamkeit und Sicherheit von OCREVUS (600 mg, verabreicht durch intravenöse Infusion alle sechs Monate) im Vergleich zu Interferon beta-1a s.c. (44 µg durch subkutane Injektion dreimal pro Woche) bei 1.656 Personen mit schubförmiger MS bewertet haben.4 ORATORIO war eine randomisierte, doppelblinde, multizentrische Phase-III-Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit von OCREVUS (600 mg intravenöse Infusion alle sechs Monate, aufgeteilt in zwei 300 mg Infusionen mit zwei Wochen Abstand) im Vergleich zu Placebo bei 732 Personen mit primär progredienter MS (PPMS) untersucht hat.5

OCREVUS wird biotechnologisch in den USA hergestellt – mit der Abfüllung des Medikaments für den globalen Markt erfolgt ein wesentlicher Produktionsschritt am Roche Standort Mannheim. OCREVUS ist aktuell in 85 Ländern in Nordamerika, Südamerika, Osteuropa, im Nahen Osten sowie in Australien, der Schweiz und seit Januar 2018 in der EU zugelassen.

Quelle: Roche

Autor / online gestellt: CWF

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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