Brandneue Daten auf EAN belegen für Evobrutinib als erstem BTK-Inhibitor Wirksamkeit und Sicherheit bei MS über 108 Wochen

23. Mai 2020 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten, Pharma-Meldungen

Merck hat heute Langzeitdaten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Evobrutinib bei erwachsenen Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) bekannt gegeben.

23 Mai 2020 | Darmstadt, Deutschland

  • Prüfpräparat Evobrutinib ist der erste und einzige Brutontyrosinkinase-Inhibitor mit in klinischen Studien nachgewiesener hoher und dauerhafter Wirksamkeit über einen Zeitraum von 108 Wochen
  • Keine neuen Sicherheitssignale in der offenen Erweiterungsstudie über 60 Wochen identifiziert; analog zu Sicherheitsdaten von über 1200 Patienten mit MS und anderen Indikationen, die bisher Evobrutinib erhalten haben
  • Vorstellung der Late-breaking-Daten im Rahmen der virtuellen Jahrestagung der European Academy of Neurology (EAN)

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, hat heute Langzeitdaten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Evobrutinib bei erwachsenen Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (MS) bekannt gegeben. Das Prüfpräparat Evobrutinib ist ein oraler, hochselektiver Inhibitor der Brutontyrosinkinase (BTK). Die Ergebnisse der offenen Erweiterungsstudie der Phase II werden als Late-breaker auf der virtuellen Jahrestagung 2020 der European Academy of Neurology (EAN) vorgestellt.

„Diese Daten zeigen, dass Evobrutinib die annualisierte Schubrate über einen Zeitraum von 108 Wochen stark und dauerhaft beeinflusst”, sagte Luciano Rossetti, Leiter der globalen Forschung und Entwicklung im Biopharma-Geschäft von Merck. „Die höchste Wirksamkeit stand eindeutig in Bezug zur BTK-Bindung und ist damit eine weitere Bestätigung für die von uns gewählte Dosierung im Phase-III-Programm. Auch die konsistenten Sicherheitsdaten zu Evobrutinib aus einem breiten Spektrum an Indikationen bestärken uns in unserem Weg. Bei mehr als 1200 Patienten kam es in einem Zeitraum von bis zu zwei Jahren zu keiner Erhöhung von schwerwiegenden Infektionen.”

Die in der doppelblinden Phase der Studie erzielte annualisierte Schubrate (ARR) blieb während der Laufzeit der offenen Erweiterungsstudie stabil. Bei den in der doppelblinden Phase mit Evobrutinib 75 mg b.i.d. (2 x täglich) behandelten Patienten betrug die ARR 0,11 (95 % KI: 0,04 – 0,25) zum Zeitpunkt 48 Wochen und 0,12 (0,06 – 0,22) für den Zeitraum 108 Wochen.

Die Daten der Phase-II-Studie zeigen weiterhin, dass mit zweimal täglicher Dosierung eine höhere Wirksamkeit bezüglich der klinischen Parameter erzielt werden kann als mit einmal täglicher Verabreichung, wie durch die reduzierte ARR belegt wird. Modellbasierte Daten zeigten, dass bei fast allen Patienten eine BTK-Bindung von über 95 % als Talwert erforderlich ist, um höchste Wirksamkeit zu erzielen. Dies kann am besten mit einer zweimal täglichen Verabreichung erreicht werden.

Die zuvor im New England Journal of Medicine veröffentlichten Daten beziehen sich auf die Ergebnisse der Phase-II-Studie: Zum Zeitpunkt 24 Wochen hatte Evobrutinib die kumulative Gesamtzahl von Gadolinium-anreichernden T1-Läsionen im Vergleich zu Placebo signifikant reduziert und damit den primären Endpunkt erreicht. Zum Zeitpunkt 48 Wochen konnten alle Patienten in die Erweiterungsstudie aufgenommen werden, mit der Langzeitdaten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Evobrutinib ermittelt wurden.

„Die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit von Evobrutinib über 108 Wochen, die die doppelblinde Phase und die Erweiterungsphase umfassen, sind sehr robust“, kommentierte Dr. Xavier Montalban, Vorsitzender und Leiter der Abteilung für Neurologie und Neuroimmunologie sowie der Einheit für Neurorehabilitation des Katalanischen Zentrums für Multiple Sklerose (Cemcat) des Universitätsklinikums Vall d’Hebron in Barcelona. „Gepaart mit seiner hohen Selektivität geben diese Ergebnisse Anlass, in Evobrutinib einen vielversprechenden Ansatz für die MS-Therapie zu sehen.“

Von den 267 randomisierten Patienten beendeten 213 die gesamte Behandlungsphase von 108 Wochen (d. h. 48 Wochen in der Hauptstudie plus 60 Wochen in der Erweiterungsstudie). Evobrutinib wurde allgemein gut vertragen. In der Erweiterungsphase zeigte sich das Sicherheitsprofil unverändert; es kam zu keiner Erhöhung bei der Rate von Infektionen und es wurden insgesamt keine neuen Sicherheitssignale identifiziert. In Einklang mit der hohen Selektivität von Evobrutinib verzeichneten die Studienteilnehmer keine systemischen Nebenwirkungen wie z. B. Bauchbeschwerden. Zu den häufigsten mit Evobrutinib assoziierten unerwünschten Ereignissen aller Schweregrade, die in der Phase-II-Studie beobachtet wurden, zählten Nasopharyngitis und erhöhte Konzentrationen von Alaninaminotransferase (ALT), Aspartataminotransferase (AST) und Lipase.

Die temporäre Erhöhung der Leberaminotransferasen blieb auf die ersten 24 Wochen nach Behandlungsbeginn mit Evobrutinib beschränkt und wurden in der Erweiterungsstudie bei den Patienten, die weiterhin Evobrutinib erhielten, nicht beobachtet.

Basierend auf den Ergebnissen der klinischen Phase-II-Studie, in der der primäre Endpunkt bei einer Behandlungszeit von 24 Wochen erreicht wurde, geht Evobrutinib in die Phase-III-Prüfung über. Bei den zwei neuen Studien, EVOLUTION RMS 1 und 2, handelt es sich um multizentrische, randomisierte, doppelblinde Double-Dummy-Studien mit Parallelgruppe und aktiver Kontrolle zu Evobrutinib mit Teriflunomid bei Studienteilnehmern mit schubförmiger MS. Der primäre Endpunkt beider Studien ist die ARR nach einer Behandlungszeit von 96 Wochen. Zu den sekundären Endpunkten zählen das Auftreten neuer oder sich vergrößernder T2-Läsionen gemäß Kernspinaufzeichnung sowie fortschreitender Behinderungsgrad gemäß der Expanded Disability Status Scale (EDSS).

Über Evobrutinib

Evobrutinib (M2951) befindet sich in der klinischen Entwicklung und wird auf sein Potenzial als Therapie für Multiple Sklerose untersucht. Es handelt sich dabei um einen oralen, hochselektiven Hemmer der Brutontyrosinkinase (BTK), die für die Entwicklung und Funktionsweise von unterschiedlichen Immunzellen einschließlich B-Lymphozyten und Makrophagen wichtig ist. Evobrutinib ist so konzipiert, dass er primäre B-Zell-Reaktionen wie Proliferation und Freisetzung von Antikörpern und Zytokinen ohne direkte Auswirkungen auf die T-Zellen hemmt. Autoantikörper-produzierende Zellen sollen durch die BTK-Hemmung unterdrückt werden, was der präklinischen Forschung zufolge auf einen möglichen Therapienutzen bei bestimmten Autoimmunerkrankungen hindeutet. Das globale klinische Entwicklungsprogramm der Phase III zu Evobrutinib bei MS umfasst die zwei zulassungsrelevanten Studien EVOLUTION RMS 1 und 2. Evobrutinib befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung und ist weltweit in keiner Indikation zugelassen.

Über Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und die häufigste nicht traumatische, zu starken Beeinträchtigungen führende neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Die Zahl der weltweit an MS erkrankten Menschen wird auf 2,3 Millionen geschätzt. Die Symptome können unterschiedlich sein, wobei vor allem Sehtrübung, Taubheit oder Kribbeln in den Gliedmaßen sowie Kraftlosigkeit und Koordinationsprobleme auftreten. Am weitesten verbreitet sind die schubförmigen Verlaufsformen.

Merck im Bereich Neurologie und Immunologie

Merck blickt auf eine lange Tradition in den Therapiegebieten Neurologie und Immunologie und verfügt über umfangreiche F&E- und Geschäftserfahrungen im Bereich Multiple Sklerose (MS). Das Portfolio des Unternehmens zu MS umfasst derzeit zwei Produkte für die Behandlung von schubförmiger MS sowie eine solide Pipeline mit Schwerpunkt auf der Entdeckung neuer Therapien, die das Potenzial haben, die Hauptauslösemechanismen von MS zu modulieren. Ziel von Merck ist es, das Leben von Menschen mit MS entscheidend zu verbessern, indem sich das Unternehmen bestimmten Bereichen widmet, in denen ein hoher ungedeckter medizinischer Bedarf besteht.

Im Fokus der soliden Immunologie-Pipeline von Merck steht die Entdeckung neuer Therapien, die über das Potenzial verfügen, die Hauptauslösemechanismen chronischer Erkrankungen wie MS, systemischer Lupus erythematodes (SLE) sowie Formen der Arthritis, einschließlich rheumatoide Arthritis (RA) und Osteoarthritis (OA), zu modulieren.

Über Merck

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, ist in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials tätig. Rund 57.000 Mitarbeiter arbeiten daran, im Leben von Millionen von Menschen täglich einen entscheidenden Unterschied für eine lebenswertere Zukunft zu machen: Von der Entwicklung präziser Technologien zur Genom-Editierung über die Entdeckung einzigartiger Wege zur Behandlung von Krankheiten bis zur Bereitstellung von Anwendungen für intelligente Geräte – Merck ist überall. 2019 erwirtschaftete Merck in 66 Ländern einen Umsatz von 16,2 Milliarden Euro.

Wissenschaftliche Forschung und verantwortungsvolles Unternehmertum sind für den technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt von Merck entscheidend. Dieser Grundsatz gilt seit der Gründung 1668. Die Gründerfamilie ist bis heute Mehrheitseigentümer des börsennotierten Konzerns. Merck hält die globalen Rechte am Namen und der Marke Merck. Die einzigen Ausnahmen sind die USA und Kanada, wo die Unternehmensbereiche als EMD Serono, MilliporeSigma und EMD Performance Materials auftreten.

Quelle: Merck, Darmstadt

Autor / online gestellt: CWF

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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