CHMP-Empfehlung für Ponesimod – Schubförmige MS

29. März 2021 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt die Marktzulassung für Ponesimod zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit aktiver schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), die durch klinische oder bildgebende Verfahren definiert ist (1). Das positive Gutachten basiert auf der Phase-3-OPTIMUM-Studie zur Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit von Ponesimod im Vergleich zu Teriflunomid, einem aktiven Vergleichspräparat und oralen Standardtherapie bei erwachsenen Patienten mit RMS (2). Die OPTIMUM-Studie zeigte eine statistisch signifikante Reduktion der jährlichen Schubrate und der Anzahl an entzündlichen Läsionen verglichen mit Teriflunomid (3).

Schubförmige Verläufe von Multipler Sklerose (MS) verursachen vielfältige und oft unvorhersehbare Symptome, die eine hohe individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Belastung darstellen (4). Falls die Europäische Kommission der CHMP-Empfehlung folgt und die Zulassung erteilt, kann Ponesimod – ein Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-1-(S1P1)-Modulator – Patienten mit aktiver schubförmiger MS helfen, ihre Erkrankung unter Kontrolle zu bringen (5).


Ergebnisse zur Wirksamkeit von Ponesimod

Das positive Gutachten basiert auf Daten der Phase-3-OPTIMUM-Studie, einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, aktiv kontrollierten Überlegenheitsstudie mit Parallelgruppen an 1.133 erwachsenen Patienten (im Alter von 18-55 Jahren) in 28 Ländern. Die Studie wurde konzipiert, um die Wirksamkeit und Sicherheit der einmal täglichen oralen Gabe von Ponesimod (20 mg) vs. einmal täglich Teriflunomid (14 mg), einer zugelassenen und häufig verwendeten oralen Erstlinien-Standardtherapie, bei erwachsenen Patienten mit RMS zu beurteilen (2). Die Phase-3-Studie zeigte eine überlegene Wirksamkeit von Ponesimod 20 mg auf den primären Endpunkt, die jährliche Schubrate (ARR), um 30,5 ü% (p=0,0003) verglichen mit Teriflunomid. Außerdem zeigte Ponesimod eine statistisch signifikante Überlegenheit in Bezug auf die Combined Unique Active Lesions (CUAL), einen sekundären Endpunkt. Ponesimod reduzierte signifikant die Anzahl an neuen entzündlichen Läsionen im MRT des Gehirns um 56% (p<0,0001) nach 108 Wochen im Vergleich zu Teriflunomid (3).


Sicherheitsprofil von Ponesimod

Die Sicherheit und Verträglichkeit von Ponesimod wurden ebenfalls beurteilt. Sie entsprachen qualitativ dem bekannten Profil anderer S1P-Rezeptor-Modulatoren, obwohl keine direkte Vergleichsstudie vorliegt (3). Insgesamt war die Anzahl der unter der Behandlung auftretenden unerwünschten Ereignisse in der mit Ponesimod und der mit Teriflunomid behandelten Gruppe vergleichbar. Die meisten Ereignisse waren leicht bis mittelschwer und führten nicht zu einem Abbruch der Behandlung. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse in der Ponesimod-Gruppe (20 mg) im Vergleich zur Teriflunomid-Gruppe (14 mg) waren der Anstieg des Enzyms Alaninaminotransferase (ALT) (19,5% vs. 9,4%), Nasopharyngitis (19,3% vs. 16,8%), Kopfschmerzen (11,5% vs. 12,7%) und Infektion der oberen Atemwege (10,6% vs. 10,4%) (6).


Zulassung bei aktiver RMS

Janssen hat die Zulassungsanträge bei der Europäischen Kommission in der EU im März 2020 eingereicht (7). Die CHMP-Empfehlung der Zulassung von Ponesimod für die Behandlung von Erwachsenen mit aktiver RMS wird jetzt von der Europäischen Kommission geprüft. Falls sie die Zulassung erteilt, wird Ponesimod die erste Therapie für Patienten mit aktiver RMS sein, die durch klinische und bildgebende Verfahren definiert ist. Die Food and Drug Administration (FDA) hat Ponesimod in den USA im März 2021 zur Behandlung von Erwachsenen mit schubförmiger MS zugelassen – einschließlich des klinisch isolierten Syndroms, der schubförmig remittierenden MS (RRMS) und der sekundär progredienten MS (SPMS) (8).
Ponesimod ist bislang in Deutschland noch nicht zugelassen.

Quelle: Janssen Literatur:

(1) CHMP-Empfehlung, Verfügbar unter https://www.ema.europa.eu/en/news/meeting-highlights-committee-medicinal-products-human-use-chmp-22-25-march-2021. Letzter Zugriff: März 2021.
(2) Clinical Trials.Gov. Oral Ponesimod Versus Teriflunomide In Relapsing Multiple Sclerosis (OPTIMUM). Verfügbar unter: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/record/NCT02425644 Letzter Zugriff: März 2021.
(3) Kappos L, Burcklen M, Freedman MS, et al. Efficacy and safety of ponesimod compared to teriflunomide in patients with relapsing multiple sclerosis: results of the randomized, active-controlled, double-blind, parallel-group phase 3 OPTIMUM study. ECTRIMS Online Library. 2019;279416:93.
(4) Richards RG, Sampson FC, Beard SM and Tappenden P. A review of the natural history and epidemiology of multiple sclerosis: implications for resource allocation and health economic models. Health Tech Assess. 2002;6(10), 1-73.
(5) Chaudhry et al., Sphingosine 1-Phosphate Receptor Modulators for the Treatment of Multiple Sclerosis. Neurotherapeutics (2017) 14:859–873, DOI 10.1007/s13311-017-0565-4
(6) Fox R, Burcklen M, Freedman MS, et al. Ponesimod versus teriflunomide in relapsing multiple sclerosis: efficacy and safety results from the OPTIMUM phase 3 randomised, double-blind superiority study. Presented at: European Academy of Neurology (EAN). 23-26 May 2020, Paris, France.
(7) Janssen. Janssen Submits European Marketing Authorisation Application for Ponesimod for Treatment of Adults with Relapsing Multiple Sclerosis. Verfügbar unter: https://www.janssen.com/janssen-submits-european-marketing-authorisation-application-ponesimod-treatment-adults-relapsing Letzter Zugriff: März 2021.
(8) Johnson & Johnson. Janssen Announces U.S. FDA Approval of PONVORY™ (ponesimod), an Oral Treatment for Adults with Relapsing Multiple Sclerosis Proven Superior to Aubagio® (teriflunomide) in Reducing Annual Relapses and Brain Lesions. Verfügbar unter: https://www.jnj.com/janssen-announces-u-s-fda-approval-of-ponvory-ponesimod-an-oral-treatment-for-adults-with-relapsing-multiple-sclerosis-proven-superior-to-aubagio-teriflunomide-in-reducing-annual-relapses-and-brain-lesions. Letzter Zugriff: März 2021.

Quelle: Janssen

Hinweis:


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