Covid-19 Impfung bei MS:

26. April 2021 | Kategorie: Corona COVID-19

Daten aus Israel zeigen einen verringerten Impferfolg unter Ocrelizumab und Fingolimod

Laut Statista – Stand: 20. April 2021 – liegt Israel bei den Covid-19- / Corona-Impfungen mit Abstand vorne: Dort wurde bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung geimpft (57,7 Prozent).*

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Israel kommt zu folgender Zusammenfassung:

Eine schützende humorale Immunität (d.h. eine ausreichende Antikörperbildung) nach der Impfung gegen Covid-19 (mit dem Impfstoff von Pfizer / BioNTech) wurde bei folgenden Gruppen nachgewiesen:

  • 97,9 % der gesunden Probanden (N = 47)
  • 100 % bei unbehandelten MS-Patienten (N = 32)
  • 100 % bei MS-Patienten, die mit Cladribin (N = 23) behandelt wurden
  • 22,7 % bei MS-Patienten, die mit Ocrelizumab (N = 44) behandelt wurden
  • 3,8 % bei MS-Patienten, die mit Fingolimod (N = 26) behandelt wurden.

Der SARS-CoV-2-IgG-Antikörper-Titer war bei gesunden Probanden, unbehandelten MS-Patienten und MS-Patienten unter Cladribin-Behandlung innerhalb von 29,5-55 Tagen nach der zweiten Impfstoffdosis hoch. Nur 22,7 % der mit Ocrelizumab behandelten Patienten entwickelten eine humorale IgG-Antwort (Antikörperbildung), unabhängig von der normalen absoluten Lymphozytenzahl. Die meisten mit Fingolimod behandelten MS-Patienten hatten sehr niedrige Lymphozytenzahlen und entwickelten keine SARS-COV-2-Antikörper. Alter, Krankheitsdauer und die Zeit seit der letzten Verabreichung hatten keinen Einfluss auf die humorale Reaktion auf die COVID-19-Impfung“.

Während also Patienten unter Ocrevus® (Ocrelizumab) und Gilenya® (Fingolimod) nur ein verhältnismäßig geringes bis gar kein Impfansprechen bei der Covid Impfung zeigen, lag es bei Mavenclad® (Cladribin Tabletten) auf dem gleichen Level wie MS-Patienten ohne Therapie und Gesunde, unabhängig von der Lymphozytenzahl.

Impfung bei MS

Aus diesem Grunde kommen die Autoren zu folgendem Schluss:

Die Behandlung mit Cladribin beeinträchtigt die humorale Antwort (Antikörperbildung) auf die COVID-19-Impfung nicht. Wir empfehlen, die Behandlung mit Ocrelizumab bei impfwilligen MS-Patienten aufzuschieben, da nur bei einigen eine schützende humorale Antwort zu erwarten ist. Wir empfehlen, MS-Patienten, die mit Fingolimod behandelt werden, nicht zu impfen, da eine schützende humorale Antwort nicht zu erwarten ist.

Die Erst-Autorin, Frau Anat Achiron, ist Professorin für Neurologie an der Sackler School of Medicine, Tel-Aviv University und Gründungsdirektorin des Multiple Sclerosis Center at the Sheba Medical Center, Tel-Hashomer, Israel.

Die Studie wurde veröffentlicht im Journal Therapeutic Advances in Neurological Disorders unter dem Titel: Humoral immune response to COVID-19 mRNA vaccine in patients with multiple sclerosis treated with high-efficacy disease-modifying therapies (https://doi.org/10.1177/17562864211012835)


* https://de.statista.com/infografik/23832/laender-mit-dem-hoechsten-anteil-an-covid-19-impfungen/


Reaktionen:

Auf der Website der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft werden zu den einzelnen Medikamenten und ihren jeweiligen Einfluss auf die Impfung unter dem Titel MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung ausführliche Hinweise gegeben. Dort wird auch die o.a. Studie zitiert. U.a. heisst es dort: „Dies berechtigt zu der Annahme, dass diese Aussagen auch für die anderen Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren übertragbar sind. Ob aber dennoch T-Lymphozyten vermittelte, ausreichend zelluläre Immunität besteht, lässt sich noch nicht einschätzen. Eine Unterbrechung einer Therapie mit Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren zur Durchführung der Corona-Schutzimpfung ist aufgrund der bekannten, ungünstigen „Rebound-Effekte“ nicht zu empfehlen“.

Die Aktion Multiple Sklerose Erkrankter Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg (amsel) kommentiert die o.a. Studie unter dem Titel Antikörperbildung ist nicht alles und relativiert deren Ergebnisse. Auch das Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) gibt eine Stellungnahme zu SARS CoV 2 Impfdaten aus Israel bei Multipler Sklerose unter Therapie ab.

Autor: JF

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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