COVID-Impfung unter Ocrelizumab-Therapie?

9. März 2022 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten

Verschiedene Studien zur Immunantwort nach einer COVID-19-Impfung zeigen, dass trotz verminderter Antikörper-Antwort unter einer Ocrelizumab-Therapie, robuste T-Zell-Antworten nachgewiesen werden können (1-5). Für die B-Zell-gerichtete MS-Therapie mit Ocrelizumab ist ein studiengeprüftes Impffenster von mindestens 12 Wochen nach der letzten und mindestens 6 Wochen vor der nächsten Ocrelizumab-Infusion gegeben (6, 7). Untersuchungen der Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf bei mit Ocrelizumab behandelten Patient:innen stimmten mit allgemeinen und in MS-Registern untersuchten Patient:innenpopulationen überein (8-10).

STIKO empfiehlt Auffrischungsimpfung gegen COVID für Ocrelizumab-Patient:innen

Eine Therapie mit Ocrelizumab (OCREVUS®) bei Patient:innen mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) ist auch in Pandemiezeiten sicher, wie aktuelle Daten zu Ocrelizumab im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion bzw. COVID-Impfung belegen (2, 8). Darüber hinaus lieferten mehrere Untersuchungen zur Immunantwort bei Ocrelizumab-Patient:innen nach einer COVID-19-Impfung vielversprechende Ergebnisse im Hinblick auf die adaptive Immunreaktion (1-5). Neben einer generellen Empfehlung für alle Menschen mit MS sich vollständig gegen COVID-19 impfen zu lassen, empfiehlt die STIKO allen Ocrelizumab-Patient:innen eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff, um die Impfantwort zu optimieren (11).

COVID-19-Impfung: Robuste T-Zellantwort unter Ocrelizumab vorhanden

Die offene Beobachtungsstudie VIOLA untersucht die Antikörper- und T-Zell-Antworten von OCREVUS-Patient:innen, die eine zweite oder dritte Dosis eines mRNA-Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 erhalten hatten, über einen Zeitraum von 1 Jahr (1). Die ersten Ergebnisse zeigten, dass ungefähr die Hälfte der OCREVUS-Patient:innen 4 Wochen nach der Impfung einen Antikörpertiter aufwiesen, der mit der gesunden Kontrollgruppe vergleichbar war (1).  Diese ‚High Responder‘ konnten die Antikörpertiter auch darüber hinaus weitgehend aufrechterhalten, auch wenn sich diese nach 12 Wochen reduzierten (1). Die als ‚Low Responder‘ bezeichneten Patient:innen entwickelten unter einer Ocrelizumab-Therapie im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe eine verringerte Antikörper-Antwort, die nach 12 Wochen weiter abnahm (1). Eine T-Zell-Antwort hingegen, die vergleichbar mit der zellulären Immunantwort der gesunden Kontrollgruppe war, konnte bei fast allen OCREVUS-Patient:innen nachgewiesen werden (1). Der Aufbau einer soliden T-Zell-Reaktion unter einer Therapie mit Ocrelizumabwurde mittlerweile durch verschiedene Studien bestätigt (2-5).

COVID-Impfung unter Ocrelizumab – Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Weitere Untersuchungen zur Impfantwort nach einer COVID-19-Impfung unter einer Therapie mit Anti-CD20-Antikörpern konnten belegen, dass auch der zeitliche Abstand der Impfung zur letzten Verabreichung der verlaufsmodifizierenden Therapie (DMT) die Höhe des Antikörpertiters beeinflusst (12). Basierend auf Daten der VELOCE-Studie6 ist für die B-Zell-gerichtete MS-Therapie mit OCREVUS ein Impffenster von mindestens 12 Wochen nach der letzten und mindestens 6 Wochen vor der nächsten OCREVUS-Infusion belegt (6, 7). Die VELOCE-Studie untersuchte die humorale Immunantwort von RMS-Patient:innen unter Behandlung mit Ocrelizumab auf verschiedene Totimpfstoffe und konnte zeigen, dass während der Therapie mit Ocrelizumab – wenn auch abgeschwächt – eine Immunantwort auf Impfstoffe, wie z.B. gegen Influenza, ausgelöst wird (6). Auch die Stellungnahme von ECTRIMS und EAN greift diese Erkenntnisse auf und empfiehlt für Patient:innen unter einer Therapie mit Ocrelizumab, COVID-19-Impfstoffe mindestens 12 Wochen nach der letzten Ocrelizumab-Infusion und, wann immer möglich, 4-6 Wochen vor der nächsten Dosis zu verabreichen, um eine bestmögliche Wirksamkeit des Impfstoffs sicherzustellen (13, 14).

COVID-19-Verlauf unter Ocrelizumab-Therapie meist mild oder moderat

Weiterhin wird die Sicherheit von OCREVUS im Zusammenhang mit der COVID-19-Erkrankung untersucht. Dazu wurden unter anderem Daten aus 10 klinischen Studien zu Ocrelizumab ausgewertet. Dabei zeigte eine Untersuchung der Risikofaktoren für einen schweren Verlauf eine Übereinstimmung mit allgemeinen und in MS-Registern untersuchten Patient:innenpopulationen (8-10). Die Mehrzahl der symptomatischen COVID-19-Erkrankungen, die im Rahmen dieser Auswertungen bei mit Ocrelizumab behandelten Patient:innen aufgetreten waren, verliefen mild bis moderat (8).

Literatur:

(1) Kister I et al., ECTRIMS 2021; P980
(2) Archiron A et al., J Neuroimmunol 2021; 361, 577746
(3) Madelon N et al., Clin Infect Dis 2021; ciab954
(4) Brill L et al., JAMA Neurol 2021; 78(12):1510-1514
(5) Apostolidis SA et al., Nat Med 2021; 27(11):1990-2001
(6) Bar-Or A et al., Neurology 2020; 95:e1999-e2008.
(7) Fachinformation OCREVUS®
(8) Hauser SL et al., ECTRIMS 2021; P933
(9) Sormani MP et al., Ann Neurol 2021; 89: 780–89
(10) Louapre C et al., JAMA Neurol 2020; 77: 1079–88
(11) RKI. 17. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung. Epid Bull 3/2022 (20. 1. 2022)
(12) Achiron A, ECTRIMS 2021; Oral Presentation S003
(13) Otero-Romero S; ECTRIMS 2021; Presentation S181
(14) Farez MF: ECTRIMS/EAN Position statement; ECTRIMS 2021. Presentation S182

Quelle: Roche

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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