Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

18. September 2019 | Kategorie: Zusammenfassung MS-Therapie

Welche Therapie für sie eventuell am besten passt

In den vergangenen Jahren haben die MS-Forschung und damit auch die MS-Therapie eine enorme Entwicklung gemacht. Hier ein Fortschritt, dort ein Fortschritt. Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Komfort in der Verabreichung spielen eine entscheidende Rolle. Hier gilt es, gut abzuwägen! Diese Website soll eine Hilfe für MS-Patienten und ihre Angehörige sein, die passende Therapie zu finden!

Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es den Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Darum findet sich hier ein bewusst kurz gehaltener Überblick über die Multiple Sklerose. Der Fokus dieser Website liegt auf den Medikamenten der Basistherapie (auch Therapie für mild/moderate MS gennant) und denen der Eskalationstherapie, also der „Intensivtherapie“ für die (hoch-) aktive Verlaufsform der MS. Im weiteren Verlauf dieser Seite werden die aktuellen Präparate einander gegenüber gestellt.


Hit-hard-and-early-Strategie

Die Wirksamkeit der Basistherapie lässt sich in etwa mit ca. 30 – 40% Schubreduktion gegenüber den (hoch-)aktiven Therapien in Höhe von ca. 50 – 70% Schubratenreduktion beschreiben. Angesichts der Tatsache, dass in ca. 50% der Fälle mit einem Schub eine Behinderungsprogression einhergeht, setzt sich die so genannte Hit-hard-and-early-Strategie mehr und mehr durch. Experten empfehlen, gleich zu Beginn mit den Medikamenten der Eskalationstherapie zu beginnen.

Die Frage, wer soll wann die besonders effektiven Medikamente der Eskalationstherapie erhalten, bekam kürzlich eine neue Diskussionsgrundlage: Im Januar und Februar 2019 wurden dazu die Ergebnisse zweier Studien veröffentlicht, über die auch hier – „Hit hard and early“ im Vergleich zur Stufentherapie – berichtet wird.


Tabletten bieten mehr Komfort

Die Entwicklung neuer Medikamente ist eine Sache. Die wirklich entscheidende Neuerung in der MS-Therapie ist die zusätzliche Optimierung der Darreichungsform. Zwar sind auch die Infusionen komfortabler geworden. Aber dass man überhaupt keine Infusionen mehr benötigt, bedeutet doch für den Patienten deutlich mehr Komfort. Denn seit einigen Jahren gibt es auch Tabletten!

Die erste Tablette zur Behandlung der hochaktiven schubförmigen MS – GILENYA® (Fingolimod) – kam 2011 auf den Markt. Sie stellt(e) einen ersten Meilenstein in der Eskalationstherapie dar und bedeutete für die Patienten einen deutlichen Gewinn an Lebensqualtität. Sie muss aber – über Jahre – täglich eingenommen werden. Zu Fingolimod gab es bisher verschiedene Rote-Hand-Briefe: in 2016 wurde z.B. auf Risiken im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf das Immunsystem aufmerksam gemacht: Es wurde u.a. auch die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) beobachtet. In 2017 wurden Kontraindikationen bei Patienten mit kardialen Erkrankungen thematisiert.

Seit 2017 gibt es mit MAVENCLAD® (Cladribin-Tabletten), die erste orale Kurzzeittherapie, die selektiv und periodisch auf Lymphozyten abzielt, die maßgeblich am Krankheitsgeschehen von Multipler Sklerose (MS) beteiligt sein sollen. MAVENCLAD® wurde im August 2017 in der EU für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) mit hoher Krankheitsaktivität gemäß definierter klinischer oder bildgebender Kriterien zugelassen. Die Zulassung für die USA erfolgte im März 2019. Die Dosierung der Tabletten wird individuell an das Körpergewicht der Patienten angepasst.


Zusammenfassung Art der Anwendung / Häufigkeit der Behandlungen

Art der Anwendung und auch die Häufigkeit der Behandlungen sind für den Patienten wichtig. Die folgende Tabelle fasst die aktuelle Situation für den Patienten sehr anschaulich zusammen:

Verschiedene Wirkstoffe zur Behandlung der hochaktiven schubförmigen MS:

Art der Anwendung und Haeufigkeit der Behandlungen

Gemäß aktuellen Zulassungstexten (s.a.: www.ema.europa.eu).

Forschung konzentriert sich auf die oralen Darreichungsformen (Tabletten)

Interessanterweise sind auch die in Forschung befindlichen neuen, also noch nicht zugelassenen Medikamente Tabletten. Der Pharmaindustrie ist klar, dass der Komfort des Patienen – neben der Wirkung – einen sehr hohen Stellenwert hat. So forscht z.B. Novartis an Siponimod Tabletten zum Einsatz bei der sekundär-chronisch progredienten MS (SPMS). Celgene bereitet derzeit das Zulassungsverfahren für Ozanimod Tabletten vor. Und das Pharmaunternehmen Janssen (eine Tochter von Johnson & Johnson) erforscht Ponesimod (Phase III).


Sicherheitsaspekte spielen ebenfalls eine große Rolle

Eine im März 2019 publizierte Übersichtsarbeit „An Overview of High-Efficacy Drugs for Multiple Sclerosis“ verglich die sicherheitsrelevanten Parameter, wie z.B.

  • Verfügbarkteit von Langzeit Sicherheitsdaten
  • Geringes Risiko von bösartigen Erkrankungen
  • Gutes Nutzen- / Risiko Profil
  • Gutes Kurz- und Langzeitsicherheitsprofil
  • Niedriges PML Risiko und
  • Gute Verträglichkeit

für die aktuellen Präparate der Eskalationstherapie. Der höchste Balken stellt den jeweils besten Wert dar.

Sicherheitsaspekte

Bis auf die Verfügbarkeit von Langzeit Sicherheitsdaten (wo TYSABRI® / Natalizumab am besten abschneidet) liegt MAVENCLAD® (Cladribin Tabletten) bei fast allen Parametern vorn.

Quelle: Alroughani, R., Inshasi, J.S., Deleu, D. et al. Neurol Ther (2019). https://doi.org/10.1007/s40120-019-0129-0


Wirksamkeitsvergleich aus den Zulassungsstudien – Kein unmittelbarer Vergleich („Head to Head“)

Unter Betrachtung der folgenden Aspekte:

  • Reduktion der Schubrate
  • Reduktion der Behinderungsprogression
  • NEDA (keine nachweisbare Krankheitsaktivität)

Gemäß aktueller Fachinformationen und Kappos L et al., N Engl J Med 2010; 362: 387-401 / Polman C. et al., New Engl j Med 2006; 354(9): 899-910 / Imitola et al, JAMA NEUROLOGY 2015, Vol 72 / Hauser et al., New Engl J Med 2017, 376; 3: 221-34

Autor: Joachim Freischem (JF)


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Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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