Evobrutinib reduziert als erster BTK-Inhibitor signifikant das Volumen sich langsam vergrößernder Läsionen (SLE) bei RMS-Patienten

14. Oktober 2021 | Kategorie: Pharma-Meldungen

Neue Daten auf ECTRIMS

  • Gemäß Post-hoc-Analyse von Phase-II-Daten reduzierte Evobrutinib akute und chronische Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem als mögliche frühe Indikatoren für Krankheitsprogression bei MS
  • Weitere Daten deuten darauf hin, dass Evobrutinib-Behandlung bei Patientengruppe mit schlechterer Verlaufsprognose basierend auf Neurofilament-Baselinekonzentration mit reduzierter Schubrate und kernspintomografischer Krankheitsaktivität einhergeht
  • Erste und einzige integrierte Sicherheitsanalyse eines BTK-Inhibitors bei MS-Patienten belegt gute Verträglichkeit von Evobrutinib in drei Phase-II-Studien mit mehr als 1000 Patienten mit Autoimmunerkrankungen einschließlich RMS

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, hat heute in einer mündlichen Präsentation Phase-II-Daten einer Post-hoc-Analyse vorgestellt, die den Effekt der oralen Prüftherapie Evobrutinib auf Hirnläsionen belegen, die mit chronischem Entzündungsgeschehen im zentralen Nervensystem (ZNS) assoziiert sind. Der ZNS-gängige, vollständig kovalente Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitor (BTKi) Evobrutinib ist damit der erste seiner Klasse, der sich langsam vergrößernde Läsionen (SEL) signifikant reduzierte. SELs sind chronische, aktive, demyelinisierende Läsionen bei Multipler Sklerose (MS), die als mögliche frühe Indikatoren für ein Fortschreiten der Erkrankung gelten. Die Präsentation der Daten auf der 37. Jahrestagung des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) erfolgte nur wenige Tage nach Bekanntgabe der abgeschlossenen Patientenrekrutierung für das Phase-III-Studienprogramm EVOLUTION RMS, in dem Evobrutinib untersucht wird. 

„Die vorgestellte Analyse zeigt erstmals, dass ein BTK-Inhibitor das Volumen von SELs bei Patienten mit schubförmiger MS signifikant reduziert und liefert weitere Belege, die den Wirkmechanismus von Evobrutinib bei der Behandlung von RMS untermauern und den potenziellen Effekt des niedermolekularen Wirkstoffs auf Nervenschädigung und Krankheitsprogression unterstreichen“, sagte Dr. Xavier Montalban, Vorsitzender und Leiter der Abteilung für Neurologie und Neuroimmunologie sowie der Einheit für Neurorehabilitation des Katalanischen Zentrums für Multiple Sklerose (Cemcat) des Universitätsklinikums Vall d’Hebron in Barcelona, Spanien. 

Die Analyse der Phase-II-Studie untersuchte den Effekt der Evobrutinib-Behandlung auf das Volumen von SELs ab Studienbeginn (Baseline) bis zu Woche 48. Evobrutinib führte gegenüber Placebo zu einer dosisabhängigen Reduzierung des SEL-Volumens, wobei der Effekt bei 75 mg 2 x täglich am größten war (p = 0,047). Besonders deutlich zeigte sich der Effekt von Evobrutinib auf die Läsionsgröße auch in einer Untergruppenanalyse bei Patienten mit fortgeschrittenerem Krankheitsstadium. SELs sind eine mögliche Folge der zunehmenden Nervenschädigung, insbesondere des Axonenverlusts, und treten unabhängig von mit Gadolinium-anreichernden (Gd+) Läsionen assoziierter akuter Entzündung auf. In Verbindung mit der zuvor berichteten Reduzierung von Gd+-Läsionen legen die Ergebnisse nahe, dass Evobrutinib sowohl eine akute als auch chronische Neuroinflammation reduziert, die in Kombination zu einer Verschlechterung des Behinderungsgrads führen.

Neben der Messung des SEL-Volumens stellt die Bestimmung der Blutkonzentration der leichten Kette des Neurofilaments (NfL) eine weitere neuartige Methode zur Beurteilung der Krankheitsprogression von MS dar. Zuvor veröffentlichte Daten belegten, dass Evobrutinib bereits in Woche 12 die NfL-Konzentration signifikant senkte und die Spiegel auch noch zum letzten Kontrollzeitpunkt nach 24 Wochen reduziert waren. In einer zweiten mündlichen Präsentation auf der ECTRIMS wurden neue Daten einer Post-hoc-Analyse der Phase-II-Studie vorgestellt, aus denen hervorgeht, dass hohe NfL-Konzentrationen bei Baseline prädiktiv für eine erhöhte Schubrate und Krankheitsaktivität gemäß Läsionen im MRT-Befund waren. Bei einer Behandlungszeit von 24 Wochen führte Evobrutinib 75 mg 1 x täglich oder 2 x täglich zu einer Reduzierung der kernspintomografischen Krankheitsaktivität und Schubrate im Vergleich zu Placebo oder Evobrutinib 25 mg 1 x täglich. Dieser Effekt trat auch bei Patienten mit fortgeschrittenerer MS und hohen NfL-Konzentrationen bei Baseline zutage. In ihrer Gesamtheit unterstreichen die ersten Erkenntnisse aus den Daten zu NfL und SEL den potenziellen Nutzen von Evobrutinib auf die Krankheitsprogression.

Außerdem wurde der umfangreichste integrierte Sicherheitsdatensatz zu einem BTK-Inhibitor bei Autoimmunerkrankungen vorgestellt. Die Analyse gepoolter Daten zu 1083 Patienten aus drei Phase-II-Studien zu systemischem Lupus erythematodes, rheumatoider Arthritis und RMS umfasste unterschiedliche Dosierungen: 25 mg oder 75 mg 1 x täglich bzw. 50 mg oder 75 mg 2 x täglich. Evobrutinib wurde im Allgemeinen gut vertragen, bei einer vergleichbaren Rate unerwünschter Ereignisse bezogen auf die Indikation bzw. in allen Studien wie unter Placebo. Die am häufigsten beobachteten unerwünschten Ereignisse waren Harnwegsinfektionen (9,5 % vs. 8,5 % bei Placebo), Nasopharyngitis (7,3 % vs. 5,5 % bei Placebo), Diarhhö (6,2 % vs. 4,8 % bei Placebo) und erhöhte Konzentrationen von Alaninaminotransferase (ALT) (2,9 % vs. 1,5 % bei Placebo). Erhöhungen leberspezifischer Transaminasen waren asymptomatisch und bei Therapieabbruch reversibel.

„Es besteht ein Bedarf an neuen Therapien, die bereits früh im Krankheitsverlauf von RMS auf die chronische Neuroinflammation abzielen und damit ein Fortschreiten der Erkrankung und des Behinderungsgrads effektiv verhindern“, sagte Dr. Danny Bar-Zohar, globaler Leiter der Entwicklung im Unternehmensbereich Healthcare von Merck. „Diese ersten Daten eines BTKi überhaupt zu SELs und NfL als möglichen Prädiktoren für Krankheitsprogression untermauern unser Vertrauen in das Potenzial von Evobrutinib als klassenbeste Therapie für Menschen mit schubförmiger MS.“ 

Über Evobrutinib

Evobrutinib (M2951) befindet sich in der klinischen Entwicklung und wird auf sein Potenzial als Therapie für Multiple Sklerose untersucht. Es handelt sich dabei um einen oralen, hochselektiven Hemmer der Brutontyrosinkinase (BTK), die für die Entwicklung und Funktionsweise von unterschiedlichen Immunzellen einschließlich B-Lymphozyten und Makrophagen wichtig ist. Evobrutinib ist so konzipiert, dass er primäre B-Zell-Reaktionen wie Proliferation und Freisetzung von Antikörpern und Zytokinen ohne direkte Auswirkungen auf die T-Zellen hemmt. Evobrutinib befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung und ist weltweit in keiner Indikation zugelassen.

Über Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und die häufigste nicht traumatische, zu starken Beeinträchtigungen führende neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Die Zahl der weltweit an MS erkrankten Menschen wird auf 2,8 Millionen geschätzt. Die Symptome können unterschiedlich sein, wobei vor allem Sehtrübung, Taubheit oder Kribbeln in den Gliedmaßen sowie Kraftlosigkeit und Koordinationsprobleme auftreten. Am weitesten verbreitet ist die schubförmig verlaufende MS.

Merck im Bereich Neurologie und Immunologie

Merck blickt auf eine lange Tradition in den Therapiegebieten Neurologie und Immunologie und verfügt über umfangreiche F&E- und Geschäftserfahrungen im Bereich Multiple Sklerose (MS). Das aktuelle Portfolio des Unternehmens zu MS umfasst zwei Produkte zur Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose: Rebif® (Interferon beta-1a) und MAVENCLAD® (Cladribin-Tabletten). Merck will das Leben von Patienten entscheidend verbessern und widmet sich dazu bestimmten Bereichen mit hohem Therapiebedarf. Neben seinem Engagement für MS konzentriert sich Merck mit seiner Pipeline auch auf die Entdeckung potenzieller neuer Therapien für andere inflammatorische und immunvermittelte Erkrankungen des Nervensystems einschließlich systemischem Lupus erythematodes (SLE).

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Über Merck

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, ist in den Bereichen Healthcare, Life Science und Electronics tätig. Rund 58.000 Mitarbeiter arbeiten daran, im Leben von Millionen von Menschen täglich einen entscheidenden Unterschied für eine lebenswertere Zukunft zu machen: Von der Entwicklung präziser Technologien zur Genom-Editierung über die Entdeckung einzigartiger Wege zur Behandlung von Krankheiten bis zur Bereitstellung von Anwendungen für intelligente Geräte – Merck ist überall. 2020 erwirtschaftete Merck in 66 Ländern einen Umsatz von 17,5 Milliarden Euro.

Wissenschaftliche Forschung und verantwortungsvolles Unternehmertum sind für den technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt von Merck entscheidend. Dieser Grundsatz gilt seit der Gründung 1668. Die Gründerfamilie ist bis heute Mehrheitseigentümer des börsennotierten Konzerns. Merck hält die globalen Rechte am Namen und der Marke Merck. Die einzigen Ausnahmen sind die USA und Kanada, wo die Unternehmensbereiche als EMD Serono, MilliporeSigma und EMD Electronics auftreten.

Quelle: Merck

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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