Frühe Behandlung bei MS und NMOSD wegweisend für spätere Prognose

1. Juli 2019 | Kategorie: Nachrichten zur MS

ROCHE: EAN-Update neurodegenerative Erkrankungen

  • Neue Daten zeigen, dass Patienten mit aktiver schubförmiger Multipler Sklerose (RMSa) oder früherb primär progredienter MS (PPMS) durch die Behandlung mit OCREVUS® (Ocrelizumab) seltener über Schmerzen berichten – ein Ergebnis von hoher Relevanz für die Lebensqualität der Betroffenen.1
  • Weiterhin bestätigten Langzeitdaten über mehr als 5 Jahre das konstant positive Sicherheitsprofil für die Therapie mit dem Anti-CD20-Antikörper OCREVUS.2
  • Aktuelle Studien untersuchen darüber hinaus die Sicherheit von OCREVUS unter Real-World- Bedingungen3 sowie die Machbarkeit einer verkürzten Infusionsdauer für eine noch patientenfreundlichere MS-Therapie.4
  • Zur Behandlung von Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) wurden Phase- III-Daten des monoklonalen Anti-Interleukin-6 (IL-6)-Rezeptor-Antikörpers Satralizumab präsentiert: Satralizumab reduziert das Risiko für einen Schub signifikant, wie Ergebnisse von der 5. Jahrestagung der European Academy of Neurology (EAN) zeigten.5

MS-Patienten leiden bedingt durch ihre Erkrankung häufig unter Schmerzen, die je nach Intensität zu einer dauerhaften Belastung im Lebensalltag werden können. Um die möglichen Effekte der OCREVUS-Therapie auf das Symptom „Schmerz“ zu untersuchen, wurde das Ausmaß von Schmerzen durch die Patienten der OCREVUS-Studien OPERA I und OPERA II bei RMS6 und ORATORIO bei PPMS7 anhand der Fragen zu körperlichen Schmerzen aus dem Short Form-36 (SF-36)-Gesundheitsfragebogen bewertet. Mit OCREVUS behandelte Patienten berichteten dabei seltener über Schmerzen als Patienten, die Interferon (IFN) beta 1a s.c. oder Placebo erhalten hatten. Die beobachtete Schmerzreduktion könnte auf eine verringerte Neuroinflammation hinweisen – bedingt durch die B-Zell-depletierende Wirkung von OCREVUS.1

Günstiges Sicherheitsprofil von OCREVUS im Langzeit-Follow-up bestätigt

Auch hinsichtlich der Sicherheitsdaten überzeugt der Anti-CD20-Antikörper: Weltweit wurden bis Mai 2019 mehr als 100.000 Patienten mit OCREVUS behandelt. Aktuelle, im Rahmen kontrollierter Studien gesammelte Daten zur Sicherheit der OCREVUS-Therapie stammen von 4.501 RMS- und PPMS-Patienten und entsprechen zusammen 12.559 Patientenjahren (PJ).2,8 Die gepoolte Analysec dieser Patientenpopulation spiegelt das konsistente Nutzen-Risiko-Profil der Therapie mit OCREVUS wider.2,6,7 Auch nach mehr als 5 Jahren Nachbeobachtung war die Rate unerwünschter Ereignisse pro 100 PJ unverändert2 verglichen mit den Beobachtungen im Rahmen pivotaler Studien bei RMS6 und PPMS7. Auch die Inzidenz von Malignitäten und Brustkrebs bei Frauen blieb unter der Behandlung mit OCREVUS in diesem Zeitraum auf dem Niveau epidemiologischer Daten.2

Studienprogramm zur Langzeitsicherheit und Wirksamkeit von OCREVUS

Ein über Jahre konsistentes Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil auch unter Real-World-Bedingungen ist entscheidend für die Lebensqualität der Betroffenen und deren langfristige Behandlung mit OCREVUS. Ein umfangreiches Studienprogramm stellt diesen Aspekt in den Mittelpunkt: Eine Langzeitbeobachtung hinsichtlich des Auftretens schwerwiegender unerwünschter Ereignisse (UE), wie beispielsweise schwerwiegender Infektionen, strebt die MANUSCRIPT-Studie an. MANUSCRIPT analysiert Daten MS- spezifischer Register über einen Beobachtungszeitraum von annähernd 10 Jahren und schließt über 5.000 mit OCREVUS behandelte Patienten ein.3

Zusätzlich wird die offene, einarmige Phase-IIIb-Studie ENSEMBLE die Wirksamkeit und Sicherheit des frühen Einsatzes von OCREVUS im Verlauf der RMS untersuchen. Hierzu wurden 648 Patienten mit früher RMS, einem mittleren Alter von 32,4 Jahren sowie einem mittleren EDSS-Wert von 1,7 eingeschlossen.4 Im Hinblick auf eine noch patientenfreundlichere Gestaltung der Langzeittherapie – bei einem gleichbleibend positivem Sicherheitsprofil – soll parallel in einer Subgruppe (ENSEMBLE PLUS-Studie) ermittelt werden, inwieweit eine verkürzte Infusionsdauer Einfluss auf das Auftreten von infusionsbedingten Reaktionen (IRR) hat. Geeignete Patienten aus der ENSEMBLE-Studie werden hierfür 1:1 randomisiert und erhalten in einem doppelblinden Setting dieselbe Antikörperdosis entweder wie bisher über 3,5 Stunden oder in einem kürzeren Zeitintervall über 2 Stunden.4,d Die Daten bieten folglich die Chance, Sicherheit und Wirksamkeit von OCREVUS zu bestätigen sowie gleichzeitig die Relevanz eines frühen Einsatzes zu verdeutlichen. Bereits heute zeigen Langzeitdaten einen Therapievorsprung gegenüber Patienten, die mit 2 Jahren Verzögerung von IFN beta-1a s.c. bzw. Placebo zu OCREVUS wechselten.9-12

Reduziertes Schubrisiko durch Satralizumab bei NMOSD

Ein rechtzeitiger Therapiestart ist auch in der Behandlung anderer neurodegenerativer Leiden wie NMOSD von großer Bedeutung. Die NMOSD ist durch einen schubförmigen, oftmals aggressiven Krankheitsverlauf gekennzeichnet. Die mit Schüben assoziierte Symptomatik bildet sich meist unvollständig zurück und führt bei einem Großteil der Betroffenen bereits innerhalb von 5 Jahren zu funktionellen und insbesondere motorischen Defiziten.13-16 Trotz der Ähnlichkeiten zwischen NMOSD und MS ist die Unterscheidung der beiden Erkrankungsformen und deren Differenzialdiagnose sehr wichtig. So können MS-Basistherapeutika, wie beispielsweise Beta-Interferone, eine NMOSD verschlimmern.17 Primäres Therapieziel ist das Verhindern jeglicher Schübe. Zur Behandlung der NMOSD wird derzeit der monoklonale Antikörper Satralizumab in zwei klinischen Studien der Phase III untersucht. Satralizumab richtet sich gegen den Interleukin-6 (IL-6)-Rezeptor, welcher vermutlich B-Zell vermittelte Prozesse wie die Produktion von Aquaporin4 (AQP4)-IgG Autoantikörpern und die Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke beeinflusst. In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase III-Studie SAkuraSky erhalten NMOSD- Patienten als Ergänzung zur Standardtherapie (Immunsuppressiva und/oder Kortikosteroiden) entweder Satralizumab oder Placebo. Dabei waren 66,3 % der Teilnehmer seropositiv für AQP4-IgG und 33,7 % AQP4-IgG seronegativ. In der Gesamtstudienpopulation (präspezifizierte Zusatzanalyse) reduzierte Satralizumab als Add-on Therapie signifikant das Risiko für einen Krankheitsschub um 62 % verglichen mit Placebo (Hazard Ratio [HR] 0,38; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,16-0,88; p = 0,018). Bei AQP4-IgG seropositiven Patienten konnte eine Add-on-Gabe von Satralizumab das Schubrisiko gegenüber Placebo um 79 % verringern (HR 0,21; 95%-KI 0,06-0,75). Dabei waren sowohl nach 48 als auch nach 96 Wochen 91,5 % der seropositiven NMOSD-Patienten ohne Schub. Satralizumab kann folglich effektiv Schübe reduzieren, besonders bei AQP4-IgG seropositiven Patienten.5

Wie die aktuellen Daten vom EAN-Kongress belegen, ist bei MS wie auch bei NMOSD eine frühzeitige Behandlung entscheidend für die Prognose und kann den späteren Grad der Behinderung und damit die Lebensqualität der Betroffenen langfristig positiv beeinflussen. 

a RMS (Relapsing Multiple Sclerosis) = Der Begriff RMS bezeichnet MS-Formen mit einem schubförmigen Verlauf: RRMS (schubförmig remittierende MS) und rSPMS (sekundär progrediente MS mit aufgesetzten Schüben).
b frühe primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS), charakterisiert anhand der Krankheitsdauer und dem Grad der Behinderung, sowie mit Bildgebungsmerkmalen, die typisch für eine Entzündungsaktivität sind. 
c Die Sicherheitsanalysen schließen Daten aller RMS- und PPMS-Patienten ein, die mindestens eine Ocrelizumab-Infusion in folgenden klinischen Studien bis Juli 2018 erhalten haben (OCRELIZUMAB all-exposure population): Phase-II- und Phase-III- Studien sowie assoziierte offene Verlängerungsphasen, VELOCE, CHORDS, CASTING, OBOE, ENSEMBLE (Stand: Juli 2018).2,8
d Anwendung: Das einfache Therapieschema beinhaltet eine Infusion alle 6 Monate (nach Initialdosis) ohne therapiebezogenes Monitoring zwischen den Dosierungsintervallen. Nach etwa 6 Stunden Behandlungsdauer (inklusive Vormedikation und Nachbeobachtung) profitieren die Patienten von 6 Monaten Therapiefreiheit.9

Referenzen

  1. Robertson D et al., EAN 2019; Poster POD183
  2. Hauser SL et al., EAN 2019; ePresentation EPR2072
  3. Wormser D et al., EAN 2019; Poster EPO3217
  4. Killestein J et al., EAN 2019; Poster EPO2198
  5. Yamamura T, EAN 2019; Oral Presentation #O4113
  6. Hauser SL et al., N Engl J Med 2017; 376:221-234
  7. Montalban X et al., N Engl J Med 2017; 376: 209-220
  8. Hauser SL et al., AAN 2019; Poster P4.2-025
  9. Fachinformation OCREVUS®, Stand Juni 2019
  10. Hauser SL et al., EAN 2019; ePoster EPO1250
  11. Wolinsky JS et al., EAN 2019; ePoster EPR3080
  12. Arnold DL et al., EAN 2019; ePresentation EPR1077
  13. Jarius S et al. J Neuroinflammation 2012; 9: 14
  14. Wingerchuk DM et al. Neurology 2007; 68: 603-605
  15. Fujihara K Neurol Neuroimmunol Neuroinflammation 2014; 1: e38
  16. Gelfand JM et al. Neurol Neuroimmunol Neuroinflammation 2014; 1: e34
  17. Jarius S et al., J Neuroinflammation 2016; 13: 280

Quelle: Roche

Autor / Online gestellt: SH

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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