„Hit hard and early“ im Vergleich zur Stufentherapie

6. April 2019 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten, Nachrichten zur MS

Wer soll wann die besonders effektiven Medikamente der Eskalationstherapie erhalten?

Die Wirksamkeit der Basistherapie lässt sich in etwa mit ca. 30 – 40% Schubreduktion gegenüber den (hoch-)aktiven Therapien der Eskalationstherapie in Höhe von ca. 50 – 70% Schubratenreduktion beschreiben. Angesichts der Tatsache, dass in ca. 50% der Fälle mit einem Schub eine Behinderungsprogression einhergeht, setzt sich die so genannte Hit-hard-and-early-Strategie mehr und mehr durch. Gemeint ist mit dieser Stratgie, dass bereits früher mit den Vertretern der Eskalationstherapie begonnen werden sollte. Experten empfehlen, gleich mit der Eskalationstherapie zu beginnen.

Die Frage, wer soll wann die besonders effektiven Medikamente der Eskalationstherapie erhalten, bekam kürzlich eine neue Diskussionsgrundlage: Im Januar und Februar 2019 wurden dazu die Ergebnisse zweier Studien veröffentlicht. Denn so heisst es z.B.:

Bei Patienten mit schubförmig remittierender MS (RRMS) war die Erstbehandlung mit Vertretern der Eskalationstherapie (Fingolimod, Alemtuzumab und / oder Natalizumab) mit einem geringeren Risiko der Umwandlung in eine sekundär progrediente MS (SPMS) im Vergleich zur Erstbehandlung mit Glatirameracetat oder Interferon beta verbunden. Diese Ergebnisse, die zusammen mit den Risiken dieser Therapien betrachtet werden, können helfen, Entscheidungen über die DMT-Auswahl (DMT: Disease-Modifying Therapy; also „verlaufsmodifizierende Therapie“) zu treffen.

So lautet die Zusammenfassung einer im Januar 2019 veröffentlichten Studie: Association of Initial Disease-Modifying Therapy With Later Conversion to Secondary Progressive Multiple Sclerosis (JAMA. 2019;321(2):175-187. doi:10.1001/jama.2018.20588)

Eine zweite im Februar 2019 veröffentlichte Studie (Clinical Outcomes of Escalation vs Early Intensive Disease-Modifying Therapy in Patients With Multiple Sclerosis; JAMA Neurol. Published online February 18, 2019. doi:10.1001/jamaneurol.2018.4905) kommt zu dem Ergebnis, dass die Behinderungsprogression bei solchen Patienten schneller voranschreitet, die zunächst mit Basistherapeutika behandelt werden, als solche Patienten, die von Beginn an hochwirksame Immuntherapeutika erhalten haben. Und das obwohl sie in der Regel eine weniger aktive MS und damit bessere Ausgangsbedingungen haben.

In der Zusammenfassung dieser Studie heisst es: In der Praxis waren die langfristigen Ergebnisse nach der frühen Intensivtherapie im Vergleich zur Erstlinien-DMT mit mittlerer Wirksamkeit günstiger. Zeitgemäße Überwachungsstrategien und Eskalationsprotokolle können unzureichend reagieren.

Autor: JF

Hinweis:


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