Familienplanung: „In der Multiple-Sklerose-Therapie frühzeitig die richtigen Weichen stellen“

9. November 2018 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten

Familienplanung mit Teriflunomid und Alemtuzumab

Eine Pressemitteilung von Sanofi

Berlin / Neu-Isenburg, 09.11.18. Die schubförmig-remittierende Multiple Sklerose wird am häufigsten bei Frauen im gebärfähigen Alter diagnostiziert. Oftmals steht dann auch das Thema Familienplanung mit im Fokus1. Dabei haben sich die Empfehlungen zur Schwangerschaft bei MS in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt2. Bei einer Behandlung mit Teriflunomid und ebensobei einer Therapie mit Alemtuzumab ist eine Familienplanung entsprechend der Wünsche der Patientinnen und ihrem Umfeld gut zu realisieren, berichtete Professor Dr. Celia Oreja-Guevara, Madrid, beim Symposium „Qual der Wahl oder Luxusproblem? Patientenbedürfnisse in einer komplexen Therapielandschaft“ von Sanofi Genzyme beim 91. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin.

Eine Schwangerschaft sollte laut Oreja-Guevara gut geplant sein, da die meisten MS-Therapeutika kontraindiziert oder nur eingeschränkt zugelassen sind.

Familienplanung bei der Behandlung mit Teriflunomid

Auch Teriflunomid (Aubagio®), ein Immunmodulator mit entzündungshemmenden Eigenschaften, ist während der Schwangerschaft kontraindiziert3. Es ist laut Oreja-Guevara allerdings der einzige Wirkstoff in der MS-Therapie, der nachweisbar eliminiert werden kann, wenn die Frau einen Kinderwunsch entwickelt. Soll der Kinderwunsch aktuell realisiert werden, ist Teriflunomid nach Angaben der Neurologin abzusetzen und eine beschleunigte Elimination mit Colestyramin oder Aktivkohle zu beginnen.

Am dritten Tag der beschleunigten Elimination sind schon mehr als 90 Prozent von Teriflunomid aus dem Serum entfernt3. Nach elf Tagen ist eine Testung des Plasmaspiegels vorzunehmen und 14 Tage später zu wiederholen. Liegt der Teriflunomid-Plasmaspiegel unter 0,02 mg/l, kann die Patientin mit einem Sicherheitsabstand von sechs Wochen zum ersten Testergebnis von unter0,02 mg/l Teriflunomid schwanger werden3.

Es liegen auch Daten zu 89 Spontanschwangerschaften unter Teriflunomid-Exposition in klinischenStudien vor. Frauen, die schwanger wurden, setzten die Medikation ab und wendeten das beschleunigte Eliminatonsverfahren an4. Bei den beobachteten Spontanschwangerschaften mit pränataler Teriflunomid-Exposition traten keine strukturellen oder funktionellen Defizite bei Neugeborenen auf4*. „Es gab keine teratogenen Signale“, betonte die Neurologin in Berlin.

Familienplanung bei der Behandlung mit Alemtuzumab

Eine besondere Situation liegt bei einer Behandlung mit Alemtuzumab (Lemtrada®) vor. Der Wirkstoff führt durch eine selektive Depletion von B- und T-Zellen, die eine wesentliche Rolle bei der Pathophysiologie der MS spielen, zu einer Reorganisation des Immunsystems. Er wird in zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr verabreicht, wobei der Wirkstoff bereits nach kurzer Zeit im Serum nicht mehr nachweisbar ist. Daher ist vier Monate nach den beiden initialen Behandlungsphasen eine Schwangerschaft möglich5. Durch die anhaltende klinische Wirksamkeit sind Frauen auch in der Schwangerschaft ohne weitere MS-Therapie vor Krankheitsaktivität geschützt.

Aus dem umfangreichen Studienprogramm (in dem bis April 2017 insgesamt 248 Schwangerschaften dokumentiert wurden) gibt es laut Oreja-Guevara zudem keine Auffälligkeiten bei Schwangerschaften von Frauen, die mit Alemtuzumab behandelt wurden6. Es ergaben sich auch keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Fehlbildungen oder Geburtsdefekten bei Neugeborenen und die Rate der Spontanaborte war vergleichbar derjenigen in der allgemeinen Bevölkerung sowie bei therapienaiven MS-Patientinnen6.

Teriflunomid: Konsistente Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten

Teriflunomid hat in einem umfangreichen Studienprogramm seine klinische Wirksamkeit und ein konsistentes Sicherheitsprofil unter Beweis gestellt. Es liegen laut Professor Dr. Martin Stangel, Hannover, mittlerweile Studiendaten bis zu mehr als 13 Jahre vor und dokumentieren bei Patienten, welche die Therapie weitergeführt haben, eine anhaltend niedrige Schubrate und einen stabilen EDSS (Expanded Disability Status Scale)7,8.

Eine post-hoc-Auswertung der Studien zeigt eine mit anderen MS-Therapeutika vergleichbare klinische Wirksamkeit hinsichtlich der Number Needed to Treat (NNT) zur Verhinderung eines Schubes. Diese betrug in den beiden Zulassungsstudien TEMSO und TOWER 5,9 und 5,6 (5,3 und 5,6 unter Dimethylfumarat in den Studien DEFINE und CONFIRM)9.

Die wichtigsten potenziellen Nebenwirkungen unter Teriflunomid sind eine Erhöhung des ALT-Werts, Kopfschmerzen, Diarrhoe, Übelkeit und eine meist reversibel verminderte Haardichte3 **. „Neue oder unerwartete Nebenwirkungen traten in den Langzeitstudien nicht auf“, so Stangel.

Alemtuzumab: Langfristige Krankheitsstabilisierung

Ein innovatives Therapieprinzip in Form der Impulstherapie hat sich mit dem Antikörper Alemtuzumab in der MS-Therapie etabliert. Der Wirkstoff ist nach Professor Dr. Tjalf Ziemssen, Dresden, bei einer aktiven MS angezeigt, wobei ein früher Therapiebeginn sowie – wenn nötig – eine frühe Therapieoptimierung anzustreben sind.

Denn Alemtuzumab kann eine anhaltende Krankheitsstabilisierung bewirken, wie die inzwischen vorliegenden 8-Jahresdaten aus klinischen Studien dokumentieren10,11. Die Mehrheit der Patienten erhielt dabei nach den beiden initalen Behandlungsphasen keine weitere immunmodulatorische MS-Therapie. Die mit Alemtuzumab behandelten Patienten zeigten dennoch während des gesamten Beobachtungszeitraums eine geringe jährliche Schubrate und die Mehrzahl von ihnen war auch in Jahr 8 noch schubfrei. Die überwiegende Mehrheit der Patienten wies zudem über dengesamten Beobachtungszeitraum konstante oder sogar verbesserte EDSS-Werte auf. Außerdem bestanden bei der Mehrzahl der Patienten in allen Jahren keine Anzeichen von Krankheitsaktivität(NEDA) sowie Freiheit von klinischer Krankheitsaktivität10,11.

Die 8-Jahresdaten dokumentieren unter Alemtuzumab laut Ziemssen außerdem ein konsistentes Sicherheitsprofil, wobei die Häufigkeit von Nebenwirkungen mit der Zeit abnahm. “Es traten auch inden Langzeitstudien keine neuen Sicherheitssignale auf und das auch nicht bei zusätzlichen Behandlungsphasen“, so Ziemssen. Die häufigsten Nebenwirkungen unter Alemtuzumab sind infusionsbedingte Reaktionen, vor allem Kopfschmerzen, Hautausschlag und Fieber sowie Infektionen von leichtem bis mittlerem Schweregrad. Zudem können sekundäre Autoimmunstörungen wie Schilddrüsenerkrankungen (Hyper- und Hypothyreose, 36,8 Prozent der Patienten), idiopathisch thrombozytopenische Purpura (ITP, 1 Prozent der Patienten) und Nephropathien (einschließlich Goodpasture-Syndrom, 0,4 Prozent der Patienten) auftreten5. Durch das Monitoring-Programm sind die Nebenwirkungen frühzeitig erkennbar und allgemein gut zu behandeln.

*Die bisherigen Fallzahlen sind nicht ausreichend für eine valide Bewertung des Risikos einer Teriflunomid-Exposition in der Schwangerschaft3,5

**87,1 Prozent der Fälle unter Teriflunomid 14 mg behandelten Patienten bildeten sich zurück. Bei 1,3 Prozent der Fälle kam es zu einem Behandlungsabbruch.

Referenzen

  • 1. Amato MP et al., CNS Drugs 2015; 29 (3): 207-220
  • 2. Pozzilli C et al., Eur J Neurol 2015; 22 (Suppl 2): 34-39
  • 3. Fachinformation Aubagio®, Stand Mai 2018
  • 4. Kieseier B et al., Neurologie Ther 2014; 3: 133-138
  • 5. Fachinformation Lemtrada®, Stand Juli 2018
  • 6. Rog D et al., Mult Scler J 2017; 23 (3_suppl): 85-426; P749
  • 7. O ́Conner P et al., Neurology 2016; 86 (10): 920-930
  • 8. Freedman MS et al., Neurol 2018; 90 (15 Supplement) P389
  • 9. Freedman MS et al., Mult Scler Relat Disord 2016;
  • 10: 204-212 10. Comi G et al., Mult Scler 2018;24:(S2)530-737, P1235
  • 11. Singer BA et al. Mult Scler 2018; 24: (S2)328–529, P913.

Quelle

Symposium „Qual der Wahl oder Luxusproblem? Patientenbedürfnisse in einer komplexen Therapielandschaft“ von Sanofi Genzyme beim 91. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin

Über Aubagio® (Teriflunomid)

Teriflunomid ist ein Immunmodulator mit entzündungshemmenden Eigenschaften. Der genaue Wirkmechanismus dieser Substanz ist zwar noch nicht vollständig geklärt, beruht aber möglicherweise unter anderem auf einer Senkung der Anzahl aktivierter Lymphozyten im zentralen Nervensystem (ZNS). Das laufende klinische Entwicklungsprogramm zu Teriflunomid, an dem 5.000 Patienten in 36 Ländern teilnehmen, gehört zu den größten zur Untersuchung einer MS-Therapie. Einige Patienten wurden im Rahmen von Verlängerungsstudien bis zu 14 Jahre lang behandelt.

Indikation und Anwendung in der EU

Aubagio® 14 mg ist ein einmal täglich oral einzunehmendes Arzneimittel und in der Europäischen Union für die Behandlung erwachsener Patienten mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose zugelassen.

Über Alemtuzumab

Alemtuzumab ist ein monoklonaler Antikörper, der selektiv an CD52 bindet, ein Protein, das auf T-und B-Zellen in großer Menge vorkommt. Die Behandlung mit Alemtuzumab führt zu einer Depletionzirkulierender T- und B-Zellen, von denen man annimmt, dass sie für den schädigenden Entzündungsprozess bei MS verantwortlich sind. Alemtuzumab hat nur minimale Auswirkungen auf andere Immunzellen. Auf die akute anti-inflammatorische Wirkung von Alemtuzumab folgt sofort eine in charakteristischem Muster ablaufende, anhaltende T- und B-Zell-Repopulation. Auf dieseWeise kommt es zu einer Reorganisation im Immunsystem, wodurch die MS-Krankheitsaktivität reduziert werden kann.

Indikation und Anwendung in der EU

Alemtuzumab ist in der Europäischen Union indiziert für die Behandlung von Erwachsenen mit schubförmig-remittierender MS mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung. Im Rahmen eines Risiko-Management-Programms (RMP) ist behördlich genehmigtes Schulungsmaterial für verordnende Ärzte bzw. medizinische Fachkreise und für Patienten erstelltworden, das auf https://mein.sanofi.de/produkte verfügbar ist. Eine tabellarische Übersicht der Nebenwirkungen ist in den Fachinformationen auf https://mein.sanofi.de/produkte einsehbar.

Quelle: Sanofi Genzyme

Autor / online gestellt von: JF

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

Diese Website soll Ihnen behilflich sein, sich einen möglichst vollständigen Durchblick zu verschaffen!

Multiple-sklerose.com richtet sich in erster Linie an Patienten und ihre Angehörige.

Keinesfalls stellt diese Website einen medizinischen Rat oder eine Therapie-Empfehlung dar! Als Apotheker möchte ich die ärztliche Verschreibung bereichern und ergänzen. Generell kommt der Apotheker dem Informationsbedürfnis des Patienten gerne nach. Die Information kann in der Apotheke erfolgen, oder aber auch – wie hier – im Internet.

 

Schlagworte: , , ,
Zum Anfang