MAVENCLAD® (Cladribin-Tabletten) als erste orale Kurzzeittherapie für schubförmig-remittierende Multiple Sklerose in der Schweiz zugelassen

25. März 2019 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten

Merck hat heute bekannt gegeben, dass MAVENCLAD® (Cladribin-Tabletten) in der Schweiz für die Behandlung von hochaktiver schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (MS) zugelassen wurde.

25 Mrz 2019 | Darmstadt, Deutschland

  • MAVENCLAD® ist jetzt in 52 Ländern weltweit zugelassen
  • Die Zulassung bietet für Schweizer Patienten mit hochaktiver schubförmig remittierender Multiple Sklerose eine neue Behandlungsoption mit einem neuartigen Wirkmechanismus
  • Zulassung basiert auf umfassendem klinischen Entwicklungs–programm mit Sicherheitsdaten von über 10.000 Patientenjahren und einer Nachbeobachtungszeit von bis zu zehn Jahren bei einigen Patienten
  • MAVENCLAD® kann bei oraler Verabreichung an maximal 20 Tagen innerhalb eines Behandlungszeitraums von zwei Jahren eine bis zu 4-jährige Krankheitskontrolle erzielen

Darmstadt, 25. März 2019 – Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, hat heute bekannt gegeben, dass MAVENCLAD® (Cladribin-Tabletten) in der Schweiz für die Behandlung von hochaktiver schubförmig-remittierender Multipler Sklerose* (MS)1 zugelassen wurde. MAVENCLAD® ist die einzige Therapie für schubförmig-remittierende MS, die bei oraler Verabreichung an maximal 20 Tagen innerhalb eines Behandlungszeitraums von zwei Jahren eine Krankheitskontrolle von bis zu vier Jahren erzielen kann.

„Die Swissmedic MAVENCLAD® Zulassung ist eine gute Nachricht für Patienten in der Schweiz mit hochaktiver schubförmig remittierender Multipler Sklerose“, sagte Luciano Rossetti, Leiter der globalen Forschung und Entwicklung im Biopharma-Geschäft von Merck. „Diese Patienten hatten bislang eine begrenzte Behandlungsmöglichkeiten. Mit MAVENCLAD®, nun in 52 Ländern weltweit zugelassen, bieten wir ihnen als erste orale Kurzbehandlung mit einem neuartigen Mechanismus eine wichtige neue Therapie an.”

Für MAVENCLAD® ist eine anhaltende klinische Wirksamkeit über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren bezüglich der Schlüsselkriterien Behinderungsprogression, annualisierte Schubrate und Krankheitsaktivität gemäß Magnetresonanztomografie-(MRT-)Befund belegt. Die Zulassung für MAVENCLAD® basiert auf Daten von über 10.000 Patientenjahren mit mehr als 2.700 Patienten, die in das klinische Studienprogramm eingeschlossen waren, darunter Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 10 Jahren. Das klinische Entwicklungsprogramm umfasste Daten der drei placebokontrollierten Phase-III-Studien CLARITY (zulassungsrelevante Wirksamkeitsstudie)2,3, CLARITY EXTENSION4 und ORACLE MS,5 der Phase-II-Studie ONWARD6 sowie Daten der Langzeitnachbeobachtung aus dem prospektiven Register PREMIERE mit einer Laufzeit von acht Jahren.7 Die Wirksamkeits- und Sicherheitsergebnisse dieser Studien ermöglichten eine umfassende Charakterisierung des Nutzen-Risiko-Profils von MAVENCLAD®.

„Eine zuverlässig wirksame Therapie zu erhalten ist noch immer das Wichtigste für die Patienten“, sagte Prof. Ludwig Kappos, Chefarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsspital Basel. „Die mittel-und langfristigen Risiken der Behandlung sollten dabei möglichst gering sein und nicht zuletzt soll die Therapie mit einem normalen täglichen Leben gut vereinbar sein. Die Zulassung von MAVENCLAD® für die hochaktive schubförmig remittierende Multiple Sklerose durch Swissmedic in der Schweiz ist eine erfreuliche Nachricht, weil sie das Spektrum der Optionen für diese Gruppe von MS Betroffenen um eine orale, nachgewiesen langhaltend wirksame Therapie erweitert.“

Post-hoc-Analysen der zweijährigen Phase-III-Studie CLARITY2,8 zeigten, dass MAVENCLAD® bei Patienten mit hoher Krankheitsaktivität die annualisierte Schubrate um 67 % und das Risiko einer bestätigten Progression gemäß Expanded Disability Status Scale (EDSS) in einem Zeitraum von 6 Monaten um 82 % im Vergleich zu Placebo senkte. Die Phase-III-Erweiterungsstudie CLARITY EXTENSION9 belegte, dass im dritten und vierten Studienjahr keine weitere Behandlung mit MAVENCLAD® erforderlich war. MAVENCLAD® hat ein gut charakterisiertes Sicherheitsprofil mit bis zu zehn Jahren Beobachtungszeit bei einigen Patienten und keinen berichteten Fällen von progressiver multifokaler Leukoenzephalopathie (PML)† bei MS. Die relevantesten klinischen Nebenwirkungen waren Lymphopenie und Herpes zoster. Die Lymphozytenzahl muss vor und während der Behandlung mit MAVENCLAD® bestimmt werden. MAVENCLAD® ist bei bestimmten Gruppen wie immunkompromittierten Patienten und Schwangeren kontraindiziert.

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Über MAVENCLAD®

MAVENCLAD® ist eine orale Kurzzeittherapie, die selektiv und periodisch auf Lymphozyten abzielt, die maßgeblich am Krankheitsgeschehen der schubförmigen MS beteiligt sein sollen. Im August 2017 erteilte die Europäische Kommission (EC) in 28 Ländern der Europäischen Union plus Norwegen, Liechtenstein und Island die Marktzulassung für MAVENCLAD® für die Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose mit hoher Krankheitsaktivität. MAVENCLAD® wurde seitdem in über 50 Ländern weltweit zugelassen, einschließlich Kanada und Australien. MAVENCLAD® befindet sich derzeit in den USA in der klinischen Prüfung und ist dort noch in keiner Indikation für die Behandlung zugelassen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.MAVENCLAD.com.

Das klinische Entwicklungsprogramm zu Cladribin-Tabletten umfasst folgende Studien:

CLARITY (Cladribine Tablets Treating MS Orally): Zweijährige placebokontrollierte Phase-III-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Cladribin-Tabletten als Monotherapie bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS.

  • CLARITY EXT: Placebokontrollierte Erweiterungsstudie der Phase III zur zweijährigen CLARITY-Studie, die die Sicherheit und explorative Wirksamkeit von Cladribin-Tabletten zwei weitere Jahre über CLARITY hinaus gemäß dem Verabreichungsschema für die Behandlungsjahre 3 und 4 untersuchte.
  • ORACLE MS (Oral Cladribine in Early MS): Zweijährige placebokontrollierte Phase-III-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Cladribin-Tabletten als Monotherapie bei Patienten mit Risiko für die Entwicklung von MS (Patienten, bei denen ein erstes klinisches Ereignis auf MS hinweist).
  • ONWARD (Oral Cladribine Added ON to Interferon beta-1a in Patients With Active Relapsing Disease): Placebokontrollierte Phase-II-Studie primär zur Bewertung der Sicherheit und Verträglichkeit von Cladribin-Tabletten als Zusatztherapie bei Patienten mit schubförmiger MS, bei denen während der etablierten Behandlung mit Interferon beta ein aktiver Schub stattgefunden hat.
  • PREMIERE (Prospective Observational Long-term Safety Registry of Multiple Sclerosis)-Studie: Langzeitnachbeobachtung aus dem Sicherheitsregister zu Patienten mit MS, die an klinischen Studien mit Cladibrin-Tabletten teilgenommen haben.

In der zweijährigen CLARITY-Studie wurde bei Patienten, die mit Cladribin-Tabletten behandelt wurden, als häufigstes unerwünschtes Ereignis (UE) Lymphopenie angegeben (26,7 % unter Cladribin-Tabletten und 1,8 % unter Placebo). Die Inzidenz von Infektionen lag bei 48,3 % unter Behandlung mit Cladribin-Tabletten und 42,5 % unter Placebo, wobei 99,1 % bzw. 99,0 % von den Prüfärzten als leicht bis mäßig schwer bewertet wurden. In den anderen klinischen Studien traten ähnliche unerwünschte Ereignisse auf.2

Schweizer Indikation und wichtige Sicherheitsinformationen

Mavenclad® (10 mg Cladribin)

Indikation: Erwachsene Patienten mit hochaktiver schubförmig remittierender Multipler Sklerose (MS) definiert durch klinische oder bildgebende Befunde. Dosierung/Anwendung: Dosis von 3,5 mg/kg Körpergewicht über 2 Jahre, angewendet als 1 Behandlungsphase von 1,75 mg/kg pro Jahr. Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Cladribin oder einen der Hilfsstoffe. Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV). Schwere aktive Infektionen, aktive chronische Infektion (z.B. Tuberkulose oder Hepatitis). Beginn einer Behandlung bei immungeschwächten Patienten. Bestehende aktive maligne Erkrankungen. Progressive multifokale Leukencephalopathie in der Vorgeschichte. Mittelschwere oder schwere Einschränkung der Nierenfunktion. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre. Schwangerschaft und Stillzeit Warnhinweise: Allgemein: Cladribin wird nicht empfohlen bei Patienten mit inaktiver Erkrankung oder bei stabilem Verlauf unter etablierter Therapie. Es dürfen nicht mehr als 2 jährliche Behandlungsphasen während 4 Jahren verabreicht werden. Hämatologische Überwachung: Die Lymphozytenzahl muss vor Behandlungsbeginn mit Mavenclad in Jahr 1 und Jahr 2 sowie 2 und 6 Monate nach Behandlungsbeginn in jedem Behandlungsjahr bestimmt werden. Infektionen: Cladribin kann die körpereigene Immunabwehr schwächen und möglicherweise die Wahrscheinlichkeit für Infektionen erhöhen. Patienten mit Lymphozytenzahlen unter 500 Zellen/mm3 sind hinsichtlich Anzeichen und Symptomen von Infektionen, insbesondere Herpes Zoster, aktiv zu überwachen. Maligne Erkrankungen: Cladribin interferiert mit der DNA-Synthese und wirkt immunsuppressiv. Verhütung: Während der Behandlung mit Cladribin und mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis müssen zuverlässige Verhütungsmethoden angewendet werden. Bluttransfusionen: Bei Patienten, die Bluttransfusionen benötigen, wird empfohlen, vor der Transfusion die zellulären Blutbestandteile zu bestrahlen. Umstellung auf Cladribin sowie von Cladribin auf andere Arzneimittel: Vor Beginn der Behandlung mit Mavenclad sollte der Wirkmechanismus und die Wirkungsdauer des anderen Arzneimittels berücksichtigt werden. Patienten mit Nierenerkrankungen: Mavenclad darf bei mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Nierenfunktion nicht angewendet werden. Patienten mit Lebererkrankungen: Mavenclad ist bei mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Leberfunktion nicht empfohlen. Fructose-Intoleranz: Patienten mit Fructose-Intoleranz sollen Mavenclad nicht einnehmen. Interaktionen: Mavenclad enthält Hydroxypropylbetadex, das möglicherweise mit anderen Arzneimitteln eine Komplexbildung eingehen und daher zu einer erhöhten Bioverfügbarkeit dieser Arzneimittel führen kann. Hämatotoxische oder Immunsuppressive Arzneimittel (Methotrexat, Cyclophosphamid, Ciclosporin, Azathioprin, Kortikosteroide). Andere krankheitsmodifizierende Arzneimittel. Hämatotoxische Arzneimittel (Carbamazepin). Lebendimpfstoffe und abgeschwächte Lebendimpfstoffe. Starke Inhibitoren von ENT1-, CNT3- und BCRP-Transportern (wie Dilazep, Nifedipin, Nimodipin, Cilostazol, Sulindac, Reserpin). Starke Induktoren von BCRP- und Pgp-Transportern (z.B. Kortikosteroide und Rifampicin, Johanniskraut). Hormonelle Kontrazeptiva. Häufigste unerwünschte Wirkungen: Lymphopenie, oraler Herpes, dermatomaler Herpes Zoster, Verminderung der Neutrophilenzahl, Ausschlag, Alopezie. Packungsgrößen: Mavenclad 10 mg: 1, 4 oder 6 Tabletten. [A] Weitere Informationen siehe www.swissmedicinfo.ch FEB19

Quelle: Merck Darmstadt

Autor / online gestellt von: JF

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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