Multiple Sklerose: Einnahme des Wirkstoffs Glatirameracetat mit dem Stillen vereinbar

11. Mai 2022 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten

Mutter zu werden ist für Patientinnen mit Multipler Sklerose (MS) mit schwierigen Fragen verbunden: Ist es vertretbar, die Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit weiter einzunehmen, um die Krankheit in Schach zu halten oder droht dem Kind dadurch Gefahr? Für den Wirkstoff Glatirameracetat kann eine Studie der Neurologie des Klinikums der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im St. Josef Hospital Müttern diese Sorge für die Stillzeit nehmen. Ein Vergleich zwischen Kindern, deren Mütter in der Stillzeit den Wirkstoff eingenommen hatten, und solchen, die ihn nicht eingenommen hatten, ergab keine wesentlichen Unterschiede in den ersten 18 Lebensmonaten der Kinder.

Die Fachinformation für das Medikament, das unter dem Namen Copaxone auf dem Markt ist, wurde entsprechend angepasst. Die Forschenden berichten in der Zeitschrift Multiple Sclerosis Journal vom 1. April 2022.

Häufigkeit der Schübe verringern

Multiple Sklerose betrifft zwei- bis dreimal häufiger Frauen als Männer, und die Betroffenen erkranken überwiegend in einem Alter, in dem sie auch Kinder bekommen können. Die überwiegende Zahl der Patientinnen und Patienten leidet an schubförmiger MS, bei der sich Episoden mit stärkeren Symptomen und solche ohne Beschwerden abwechseln. Im Laufe der Zeit nimmt das Nervensystem durch die wiederholten Krankheitsschübe jedoch Schaden. Die Folge sind häufig bleibende Beeinträchtigungen. Medikamente können die Häufigkeit der Schübe reduzieren, die Zeit dazwischen verlängern und damit die bleibende Schädigung des Nervensystems verlangsamen. Zu diesen Wirkstoffen gehört Glatirameracetat.

Keine negativen Auswirkungen beobachtet


„In der Studie haben wir die Entwicklung von insgesamt 120 Kindern verglichen, deren an MS erkrankte Mütter zur Hälfte Glatirameracetat während der Stillzeit eingenommen hatten“, erklärt Dr. Andrea Ciplea aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kerstin Hellwig am RUB-Klinikum. Beobachtet wurden in den ersten anderthalb Lebensjahren der Kinder das Körperwachstum, Entwicklungsverzögerungen sowie Antibiotikabehandlungen und stationäre Krankenhausaufenthalte. „Wir konnten keine negativen Auswirkungen durch die Einnahme des MS-Medikaments beobachten“, erläutert Ciplea. Daraufhin wurde die Fachinformation von Copaxone geändert, sodass Patientinnen jetzt regulär während der Stillzeit mit dem Medikament behandelt werden dürfen.

Förderung

Die Arbeiten wurden unterstützt von Teva Pharmaceuticals Europe B.V.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Kerstin Hellwig
Klinik für Neurologie
Katholisches Klinikum St. Josef-Hospital
Ruhr-Universität Bochum


Originalpublikation:

Andrea Ines Ciplea, Anna Kurzeja, Sandra Thiel, Sabrina Haben, Jessica Alexander, Evelyn Adamus and Kerstin Hellwig: Eighteen-month safety analysis of offspring breastfed by mothers receiving glatiramer acetate therapy for relapsing multiple sclerosis – COBRA study, in: Multiple Sclerosis Journal, 2022. DOI: 10.1177/13524585221083982, https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/13524585221083982

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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