Software von Roche fördert individuelles Therapie-management bei Multipler Sklerose

18. November 2021 | Kategorie: Pharma-Meldungen

Aspekte des individuellen Krankheitsverlaufs einfach per App erfassen und in die Behandlung einfließen lassen – diese Möglichkeit bietet die von Roche entwickelte Software Floodlight® MS Patient:innen mit Multipler Sklerose (MS) und ihren Behandler:innen. Die Software, die nun im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie einem Fachpublikum vorgestellt wurde, ist seit September 2021 in die Medizin-App Emendia der Firma NeuroSys integriert. Anwender:innen der App können via Smartphone selbstständig spezielle Tests durchführen und motorische und kognitive Funktionen im Zeitverlauf erfassen. Bei regelmäßiger Anwendung lassen sich so subtile Veränderungen neurologischer Funktionen aufzeigen – und die Behandlung möglicherweise optimieren. 1-3

In Deutschland sind etwa 250.000 Menschen von MS betroffen. Von Lähmungserscheinungen bis zu Koordinations- und Sehstörungen: Aufgrund der vielfältigen Symptome und des individuellen Krankheitsverlaufs erfordert die Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems eine jeweils spezifisch an den Betroffenen angepasste Versorgung.4 Eine Herausforderung für Ärzt:innen und Patient:innen, denn oftmals liegen zwischen den Arztterminen und den dabei durchgeführten Tests größere zeitliche Abstände. In welchem Ausmaß Veränderungen der Symptome zwischen diesen Momentaufnahmen auftreten, ist dem Arzt oder der Ärztin häufig nicht hinreichend bekannt. Genau hier setzt die von Roche entwickelte Smartphone-Anwendung Floodlight MS an.

Innovativ und wissenschaftlich basiert: So funktioniert die Smartphone-basierte Software

In die Entwicklung von Floodlight MS wurden Ärzt:innen, Patient:innen und Pflegefachkräfte eng eingebunden. Die fünf Tests der Software korrelieren mit gängigen klinischen Funktionstests. Dazu gehören das Zerquetschen einer Tomate mit den Fingern, der 2-Minuten-Gehtest oder der Kognitionstest, bei dem Symbole und Zahlen zugeordnet werden. Anwender:innen führen diese regelmäßig – idealerweise wöchentlich – über das Smartphone durch. Die einzeln als Medizinprodukt registrierten Tests zielen darauf ab, subtile Veränderungen der Kognition, Gehfähigkeit und Handmotorik auch zwischen den Arztbesuchen zu erfassen. Die Testergebnisse können Betroffenen helfen, ihre individuelle MS-Erkrankung besser zu verstehen und sie beim Krankheitsmanagement aktiv unterstützen. Die visualisierten Testergebnisse können je nach App, die genutzt wird, von Ärzt:innen nach Zustimmung des Patienten oder der Patientin über ein webbasiertes Arztportal oder als exportierte Datei eingesehen werden. Diese objektiven Daten bieten eine ergänzende Beurteilungshilfe für ein umfassendes Gesamtbild, um im gemeinsamen Arztgespräch therapeutischen Maßnahmen abzuleiten.

Digitale Gesundheitsanwendungen in der Patientenversorgung von morgen

Welche Chancen digitale Gesundheitsanwendungen bei der Optimierung der Patientenversorgung von MS-Betroffenen bieten, betonte Prof. Dr. Tjalf Ziemssen, Leiter der Abteilung für Neurometabolismus im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden, beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: „Beispiele wie Floodlight MS verdeutlichen das enorme Potential digitaler Gesundheitslösungen: Sie stellen eine Versorgung in Aussicht, die noch stärker als bisher auf die individuellen Bedürfnisse von Patient:innen angepasst ist. Das sind zentrale Fortschritte in Richtung einer personalisierten Gesundheitsversorgung“, so Prof. Ziemssen im Rahmen einer Veranstaltung von Roche. „Gleichzeitig wächst mit jedem Datensatz auch unser Wissen über Multiple Sklerose: Je mehr Daten zusammenlaufen, desto klarer wird unser Bild von Krankheitsverläufen. Und daraus ergeben sich dann möglicherweise auch Ansätze für die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien“, so der Experte abschließend.

Floodlight MS erfüllt die EU-Datenschutzanforderungen für Informationen mit hohem Schutzbedarf und kann ab 18 Jahren genutzt werden. In Deutschland ist Floodlight MS keine eigenständige App, sondern wird in Apps von Kooperationspartnern modular integriert. In Emendia MS ist Floodlight bereits heute integriert, in Brisa® ist die Integration zu Beginn 2022 geplant. Sowohl die App Emendia MS als auch Brisa sind therapieunabhängig und können kostenfrei heruntergeladen und installiert werden. Für die Nutzung von Floodlight MS ist ein zusätzlicher Freischalt-Code notwendig, den MS-Patienten und Patientinnen von ihrem behandelnden Arzt erhalten können. Die Apps sind für Android- wie auch iOS-basierte Smartphones verfügbar.

Wichtiger Hinweis

Die Floodlight MS-Tests liefern objektive Messungen der Hand, Geh- und kognitiven Funktionen bei MS-Patient:innen ab 18 Jahren, aber keine Interpretation oder klinische Implikation der Messungen, diese kann nur der Arzt vornehmen. Die Tests sind als Beurteilungshilfe gedacht, nicht jedoch als Diagnosegerät. Die MS-Patient:innen führen diese Tests zwischen den Arztbesuchen auf ihrem Smartphone in ihrer häuslichen Umgebung durch und können die Ergebnisse zur Kontrolle an eine med. Fachkraft exportieren bzw. das Behandlungsteam kann die Ergebnisse in einem Arztportal bei Bedarf jederzeit aufrufen (in der Emendia App). Die Floodlight MS-Tests können regelmäßige Besuche beim Arzt nicht ersetzen.

[1] Baker M, et al. Digital health: Smartphone-based monitoring of multiple sclerosis using Floodlight.https://www.nature.com/articles/d42473-019-00412-0. (Zugriff am 22.10.2021).

[2] Midaglia L, et al., J Med Internet Res. 2019;21:e14863

[3] Montalban X, et al., Mult Scler J. 2021;1-11

[4] Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.: Was ist MS?. Verfügbar unter: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/was-ist-ms/ (aufgerufen am 22.10.2021)

Quelle: Roche

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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