Therapietreue bei MS: Darum ist sie wichtig

18. Juni 2019 | Kategorie: Nachrichten zur MS

Eine Nachricht von adveva – Leben mit MS

Bei chronischen Erkrankungen ist es entscheidend, dass Betroffene ihren Therapieplan einhalten. Hier erfährst Du, warum das so ist und was der Ausdruck Adhärenz damit zu tun hat.

Was bedeutet Adhärenz bzw. Therapietreue?

Das lateinische Wort Adhärenz wird in der Medizin dafür verwendet, die Therapietreue eines Patienten auszudrücken. Also dafür, wie gut sich Patienten an die Medikamenten-Einnahme, die ihre Ärztin oder ihr Arzt empfohlen hat, halten. 

Denn nicht jeder Erkrankte befolgt die Anweisungen der Ärztin oder des Arztes konsequent, dabei ist die Einhaltung des Therapieplans besonders bei chronischen Erkrankungen wie MS sehr wichtig. Die Gründe dafür können ganz individuell sein. 

Die WHO1 hat fünf Gründe identifiziert. Folgende Faktoren können die Therapietreue beeinflussen:

  • Patientenbezogene Faktoren, wie Vergesslichkeit, Angst vor Nebenwirkungen und psychosozialer Stress. Im Einzelfall aber auch fehlende Motivation, mit der Multiplen Sklerose umzugehen oder fehlendes Vertrauen in die Therapie.
  • Krankheitsbedingte Faktoren: Dazu gehören die Schwere der Symptome oder Folgeerkrankungen. Gerade dann, wenn sie die Einhaltung der Therapie stark erschweren, wie etwa MS-bedingte Schmerzen oder Sehstörungen. 
  • Sozio-ökonomische Faktoren, wie Alter, Bildungsgrad oder der Familienstand.
  • Therapiebezogene Faktoren, etwa eine zu hohe Komplexität des Behandlungsplans, eine langwierige Behandlungsdauer oder Arzneimittel-Nebenwirkungen.
  • Faktoren im Zusammenhang mit dem Gesundheitssystem: Wie gut war die Aufklärung der Patientin oder des Patienten? Wie ist die Arzt-Patienten-Beziehung?1

Aus all diesen Gründen können MS-Betroffene also theoretisch ihre Therapie nicht korrekt umsetzen, unterbrechen oder sogar ganz beenden. Die Folgen können gravierend sein. Schließlich hat die MS-Therapie einen großen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung – und damit auch darauf, wie schnell und wie stark sich die Symptome (weiter-) entwickeln. 

Therapietreue deutscher MS-Betroffener

Bei chronischen Erkrankungen ist die Adhärenz häufig weniger gut als bei akuten Beschwerden. Es ist sogar belegt, dass die Therapietreue chronisch Erkrankter mit jedem Monat abnimmt.2 Ähnliches gilt auch für MS-Betroffene. Eine Untersuchung von 2015 zeigte, wie viele Patienten zwei Jahre nach Therapiebeginn noch den ärztlichen Empfehlungen folgen: gerade einmal 30-40 Prozent.2

In einer anderen Untersuchung3 konnten Therapie-Abbrecher ihre Gründe nennen. Unter anderem spielten Arzneimittel-Wechselwirkungen, Depressionen und Fatigue eine Rolle. Ebenfalls als Grund angegeben wurde die fehlende Wirksamkeit der Langzeittherapie – sowohl eine ärztlich bestätigte, als auch eine gefühlte.  

Diese Maßnahme erleichtern die Therapietreue

Unter MS-Medizinern ist dieses Problem bekannt – gerade, weil es so verbreitet ist. Ihr Lösungsansatz sind patientenfreundliche Behandlungen. Das bedeutet: Je verständlicher der Therapieplan, desto leichter fällt dem Betroffenen die Durchführung. 

Wenn Dich also etwas an Deiner Behandlung stört oder zweifeln lässt, dann sprich das beim nächsten Arzttermin ruhig an. Vielleicht gibt es alternative Therapiemöglichkeiten, die besser zu Deiner MS passen.

So gibt es zum Beispiel ganz unterschiedliche Therapieformen bei Multipler Sklerose. Sie variieren in der Einnahmeart, -häufigkeit und -dauer. Möglichst einfach gehalten sind etwa moderne orale Kurzzeittherapien. Aus zwei Gründen: 

1. Die orale Einnahme von Arzneimitteln ist beispielsweise angenehmer als Therapieformen, bei denen die Wirkstoffe gespritzt werden. Doch auch bei Injektionstherapien zeigt sich, dass eine Vereinfachung der Therapie die Therapietreue erhöht: Benutzen MS-Patienten einen vollautomatischen Injektor statt einer Spritze, steigt erwiesenermaßen die Adhärenz.

2. Die Medikamentengabe erfolgt nur über einen kurzen Zeitraum. Die Wirkung hält dagegen für einen längeren Zeitraum an – bis zu Jahren. Währenddessen ist keine weitere Therapie nötig. 

Die menschliche Seite der MS-Therapie

Vielleicht ist es bei Dir auch so: Wenn Du merkst, dass Deine Ärztin oder Dein Arzt Dich wirklich begleitet und Dir vertraut, stehst Du viel stärker hinter Deiner Therapie. Sind Deine Arztbesuche dagegen eher unangenehme Pflichttermine, kommen Dir vielleicht auch mal Zweifel.

Genauso wichtig für Deinen Therapieerfolg ist es deshalb, dass Du in die Behandlungsplanung eingebunden wirst.4 Dieses Prinzip des „shared decision making“ beruht darauf, dass Du intensiv über mögliche Medikamente, Krankheitsverläufe und über das Therapieziel aufgeklärt wirst. Die mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt geplante Behandlung berücksichtigt dann auch persönliche Präferenzen und Lebenssituationen.

Zusätzlich kannst Du darum bitten, dass Deine MS-Ärztin bzw. Dein MS-Arzt Dich an jeden Kontrolltermin und jede neue Behandlungsphase erinnert. Das beugt dem Adhärenzfaktor Vergesslichkeit vor – und stärkt als Nebeneffekt noch die Arzt-Patienten-Beziehung. Oder Du nutzt die angebotenen Patientenunterstützungsprogramme, z.B. Apps, die Dich ebenfalls an die Einnahme Deiner Therapie oder einen Arztbesuch erinnern und Dich motivieren, die Medikamenten regelmäßig einzunehmen.

Doch ganz egal, wie Du es machst: Die Hauptsache ist, dass Du Deinen Therapieplan befolgst. Denn auch die beste Therapie kann nur dann Erfolg haben, wenn Du Dich an die vereinbarten Behandlungspläne hältst. 

Quelle: Leben-mit-ms.de

Autor / Online gestellt: JF

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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