Wirksame MS-Behandlung mit moderner Impulstherapie

4. Mai 2020 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten
  • Cladribin-Tabletten: Effektive Behandlung durch Reduktion von T- und B-Zellen
  • Durch selektiven Wirkmechanismus bleibt angeborene Infektabwehr weitestgehend erhalten
  • Jährliche Schubrate sinkt bei Patienten mit hochaktiver RMS um bis zu 67 %

Darmstadt, 4. Mai 2020 – Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, präsentierte im Rahmen des Webinars zum MS-Forum Daten zur zunehmenden Bedeutung einer Langzeit-Suppression bestimmter B-Sub-Zelltypen für eine erfolgreiche MS-Therapie. „Die Krankheitskontrolle der MS ist dabei umso effektiver, je stärker die Suppression der B-Gedächtniszellen ist“, erklärte Professor Dr. Klaus Schmierer (London). Bei der Impulstherapie mit Cladribin-Tabletten (MAVENCLAD®) bleiben die CD19+ und CD20+ B-Gedächtniszellen ein Jahr nach Therapie effektiv unterdrückt. Die Auswirkungen auf andere Immunzellen wie Plasmazellen, Neutrophile und Makrophagen sind durch die selektive Reduktion dagegen gering und auf CD4+ und CD8+ T-Zellen moderat; dadurch bleibt die bakterielle und virale Infektabwehr der Patienten weitestgehend erhalten. Die jährliche Schubrate sinkt bei Patienten mit hochaktiver schubförmiger MS (RMS) um bis zu 67 % und die EDSS-Progression (Expanded Disability Status Scale) um bis zu 82 %.1,2,3
Eine weniger selektive Immunsuppression führe möglicherweise zu Nebenwirkungen wie Neutropenie, Listeriose und sekundärer Autoimmunität. Im Gegensatz zur Impulstherapie sind Dauertherapien mit einem höheren Risiko für kumulative Effekte und damit Nebenwirkungen wie Infektionen, sekundärer Malignität oder PML (Progressive multifokale Leukenzephalopathie) assoziiert.4,5

Therapie mit Cladribin-Tabletten im Alltag


Dr. Christoph Grothe (Troisdorf) stellte erste Ergebnisse seiner Kohorte mit 55 Patienten, die mit Cladribin-Tabletten behandelt werden, vor. Die Mehrheit seiner Patienten (39 %) erhalten Cladribin-Tabletten als First-Line-Therapie. Bei Personen mit hochaktiver MS setzt er die Impulstherapie ein, um eine initiale Krankheitskontrolle zu erreichen und eine fehlende Krankheitsprogression ohne Dauertherapie zu ermöglichen. Bei 18 von 20 dieser Patienten wurde keine Krankheitsaktivität (NEDA, No Evidence of Disease Activity) festgestellt. „Cladribin-Tabletten sind eine gut verträgliche Option, ohne Signale für eine relevant vermehrte Infektanfälligkeit bei wenigen Therapieabbrüchen“, resümierte Grothe. Außerdem seien Cladribin-Tabletten bei Patienten mit mangelnder Compliance durch ihre einfache Handhabung eine pragmatische Alternative. Auch für Patientinnen mit hochaktiver MS und mittelfristigem Kinderwunsch ist die Impulstherapie eine Option.6

MS und Infekt-Prophylaxe

Um das Risiko für Infektionen zu reduzieren, empfiehlt Professor Dr. Matthias Maschke (Trier): „MS-Patienten sollten zur Infekt-Prophylaxe auf die konsequente Umsetzung der Basishygiene und der Husten- und Niesetikette achten sowie Gesichtsberührungen, Menschenansammlungen und öffentliche Verkehrsmittel meiden.“ Bei Infektionsgefahr kann der Behandlungsbeginn mit Cladribin-Tabletten im zweiten Jahr um bis zu 6 Monate verschoben werden.6 Aufgrund einer möglicherweise erhöhten Anfälligkeit für Infekte rät Maschke generell dazu, den Impfstatus der Patienten vor dem Beginn einer Therapie zu überprüfen. Bei Bedarf sollte nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission nachgeimpft werden.

Über MAVENCLAD®

MAVENCLAD® (Cladribin-Tabletten) ist eine orale Kurzzeittherapie, die selektiv und periodisch auf Lymphozyten abzielt, die maßgeblich am Krankheitsgeschehen von Multipler Sklerose (MS) beteiligt sein sollen. Im August 2017 erteilte die Europäische Kommission (EC) in den 28 Ländern der Europäischen Union und in Island, Liechtenstein und Norwegen die Marktzulassung für MAVENCLAD® für die Behandlung von hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose (RMS). MAVENCLAD® wurde seitdem in mehr als 50 Ländern zugelassen, darunter Kanada und Australien sowie zuletzt in den USA im März 2019.
Das klinische Entwicklungsprogramm zu Cladribin-Tabletten umfasst folgende Studien:

  • CLARITY (Cladribine Tablets Treating MS Orally): 2-jährige placebokontrollierte Phase-III-Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit und Sicherheit von Cladribin-Tabletten als Monotherapie bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS.
  • CLARITY Ext: Placebokontrollierte Erweiterungsstudie der Phase III zur 2-jährigen CLARITY-Studie. Untersucht wurden Sicherheit und explorative Wirksamkeit von Cladribin-Tabletten gemäß dem Verabreichungsschema für die Behandlungsjahre 3 und 4.
  • ORACLE MS (Oral Cladribine in Early MS): 2-jährige placebokontrollierte Phase-III-Studie zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Cladribin-Tabletten als Monotherapie bei Patienten mit Risiko für die Entwicklung von MS (Patienten, bei denen ein erstes klinisches Ereignis auf MS hinweist).
  • ONWARD (Oral Cladribine Added ON to Interferon beta-1a in Patients With Active Relapsing Disease): Placebokontrollierte Phase-II-Studie primär zur Bewertung der Sicherheit und Verträglichkeit von Cladribin-Tabletten als Zusatztherapie bei Patienten mit schubförmiger MS, bei denen während der etablierten Behandlung mit Interferon beta ein aktiver Schub stattgefunden hat.
  • PREMIERE (Prospective Observational Long-term Safety Registry of Multiple Sclerosis): Langzeitnachbeobachtung aus dem Sicherheitsregister zu Patienten mit MS, die an klinischen Studien mit Cladribin-Tabletten teilgenommen haben.

In der zweijährigen CLARITY-Studie wurde bei Patienten, die mit Cladribin-Tabletten behandelt wurden, als häufigstes unerwünschtes Ereignis (UE) Lymphopenie angegeben (26,7 % unter Cladribin-Tabletten und 1,8 % unter Placebo). Die Inzidenz von Infektionen lag bei 48,3 % unter Behandlung mit Cladribin-Tabletten und 42,5 % unter Placebo, wobei 99,1 % bzw. 99,0 % von den Prüfärzten als leicht bis mäßig schwer bewertet wurden. In den anderen klinischen Studien traten ähnliche unerwünschte Ereignisse auf.

Über Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und die häufigste, nicht traumatische, zu Invalidität führende neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Schätzungen zufolge sind weltweit circa 2,3 Millionen Menschen an MS erkrankt. Die Symptome können unterschiedlich sein, wobei vor allem Sehtrübung, Taubheit oder Kribbeln in den Gliedmaßen sowie Kraftlosigkeit und Koordinationsprobleme auftreten. Am weitesten verbreitet ist die schubförmig verlaufende MS.

Literatur

1 Ceronie et al. J Neurol 2018;265:1199-1209
2 Giovannoni G et al. EAN 2017 [EP1157]
3 Baker D et al. Mult Scler Rel Dis.2019;30:176-186
4 Baker et al. Front Immunol.2020;11:124
5 Tuohy et al. J Neurol Neurosurg Psychiatry.2015;86(2):208-215
6 MAVENCLAD® Fachinformation, aktueller Stand

Quelle: Merck, Darmstadt

Autor / online gestellt: Joachim Freischem

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

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