Wirksamkeit und Sicherheit von MS-Therapien

15. Juli 2020 | Kategorie: Nachrichten zu Medikamenten

Aktuelle Real-World-Daten bei hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose

  • MS-Therapien während der Corona-Pandemie: Experten empfehlen sorgfältige Risiko-Abwägung
  • Wirksamkeit und Verträglichkeit von Cladribin-Tabletten bestätigten sich im Behandlungsalltag
  • Schwangerschaft und Stillzeit mit MS: Interferon beta und Cladribin-Tabletten bieten therapeutische Perspektiven

Darmstadt, 15. Juli 2020 – Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, informierte im Rahmen der Webinar-Reihe MS 360° mit zwei Kongress Spezial-Formaten zum AAN sowie zu einem virtuellen Symposium zu drei wichtigen MS-Themen: die Therapie der Multiplen Sklerose (MS) während der Corona-Pandemie, neue Ergebnisse aus der klinischen Versorgung mit Cladribin-Tabletten (MAVENCLAD®) sowie Kinderwunsch und MS.

MS-Therapien in Zeiten von COVID-19

In Zeiten von Corona stehen die Behandlungsstrategien bei MS auf dem Prüfstand. Es zeichnet sich ab, dass MS-Patienten kein erhöhtes Infektions-Risiko für SARSCoV-2 aufweisen, so die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in einer aktuellen Stellungnahme.1 Wie Professor Dr. Christoph Kleinschnitz (Essen) betonte, lasse hinsichtlich Therapien die bisherige Datenlage noch keine klare Empfehlung zu. Sicher sei jedoch, dass die Pandemie anhalten werde und dass Therapieverschiebungen das Risiko für schwere Schübe und Behinderungen erhöhen. Zu Cladribin-Tabletten verwies er unter anderem auf eine aktuelle Veröffentlichung.2
Darin unterstützt das Autorenteam um Professor Gavin Giovannoni (London) den Einsatz von Cladribin-Tabletten, unter anderem aufgrund der moderaten T-Zell-Reduktion und dem seltenen, milden Verlauf viraler Infektionen, die in der CLARITY-Studie beobachtet wurden.2 Die Autoren plädieren dafür, dass die evidenzbasierten Behandlungsprinzipien auch vor dem Hintergrund eines potentiellen, jedoch nicht definierten Infektionsrisikos durch SARS-Cov-2 beibehalten werden sollten.2

Praxis-Erfahrungen bestätigen Wirksamkeit und Verträglichkeit von Cladribin-Tabletten

Kleinschnitz präsentierte Ergebnisse einer Kohorten-Studie zu Cladribin-Tabletten in der klinischen MS-Versorgung am Universitätsklinikum Essen.*,3 „In einer Subgruppen-Analyse blieb bei über 90 % der Patienten der EDSS-Wert 18 Monate nach Therapiestart stabil“, berichtete Kleinschnitz. „Zudem zeigte sich unter Cladribin-Tabletten eine Reduktion der mittleren jährlichen Schubrate um knapp 86 %. Die T2-Läsionslast blieb über den beobachteten Zeitraum von 18 Monaten konstant.“

„Das Nebenwirkungsprofil war allgemein gut handhabbar und spiegelte die Daten der CLARITY-Studie wider“, so Kleinschnitz. Auch in dieser Real-World-Studie zu Cladribin-Tabletten traten keine Fälle von Malignität oder Progressiver Multifokaler Leukoenzephalopathie (PML) auf. „Die Ergebnisse bestätigen die Daten der CLARITY-Studie hinsichtlich Reduktion von Immunzellen sowie Wirksamkeit und Verträglichkeit von Cladribin-Tabletten im klinischen Alltag“, stellte Kleinschnitz abschließend fest.

Professor Dr. Martin Stangel (Hannover) präsentierte Praxis-Daten von 17 Patienten zur Umstellung von Natalizumab auf Cladribin-Tabletten.4 Der Switch erfolgte u.a. aufgrund eines hohen JCV-Index (JC Polyoma-Virus-Index) oder fortwährender Schub- bzw. MRT-Aktivität.4 Die mediane Behandlungsdauer mit Natalizumab lag bei 5,6 Jahren, die Latenz von Natalizumab zu Cladribin-Tabletten bei median 15,3 Wochen, so Stangel.
Nach Umstellung auf Cladribin-Tabletten zeigte sich eine Reduktion der Schub-Aktivität (ein Patient), bei allen Patienten blieb der EDSS-Wert stabil.4 Der Nadir der Lymphozyten-Konzentration in der ersten und zweiten Phase wurde nach 3 bis 5 Monaten erreicht und lag im Mittel bei 1029 bzw. 786 Zellen/μl.4 Die häufigsten Nebenwirkungen umfassten Schwindel, Kopfschmerz, Dyspepsie sowie Flatulenz und waren in der Regel mild bis moderat, erläuterte Stangel. „Cladribin-Tabletten haben sich nach Switch von Natalizumab als sicher und effektiv erwiesen, und das
bei Patienten mit vorrangig erhöhtem PML-Risiko“, resümierte der Experte.

MS und Kinderwunsch – Perspektiven mit Interferon beta-1a und Cladribin-Tabletten

Frau Professor Dr. Kerstin Hellwig (Bochum) hatte gute Nachrichten für werdende Mütter mit MS: Seit 2019 können Frauen mit schubförmiger MS ihre Behandlung mit Interferon beta (Bsp. Rebif®, Interferon beta-1a s.c.) während der Schwangerschaft beginnen oder fortsetzen, wenn dies klinisch angezeigt ist.** Basierend auf einer Auswertung von über 4.000 Schwangerschaften hatte die Europäische Kommission im Herbst 2019 eine entsprechende Zulassungserweiterung erteilt. Da Interferon-beta-1a nur in unbedeutenden Mengen in die Muttermilch übergeht, kann zudem während der Therapie gestillt werden.5

Auch Cladribin-Tabletten bieten die Möglichkeit einer mittelfristigen Schwangerschaftsplanung. „Männer und Frauen unter der Therapie müssen bis sechs Monate nach der letzten Einnahme in der zweiten Behandlungsphase eine Schwangerschaft verhindern. Danach kann die Familienplanung wieder in den Fokus rücken“, so Hellwig.*** Stillen ist eine Woche nach der letzten Einnahme möglich.6

*Eingeschlossen waren 100 Patienten, 74 davon weiblich.3 Insgesamt 94 Teilnehmer wiesen eine schubförmig-remittierende MS (RRMS) auf, 6 eine sekundär progrediente MS (SPMS) mit noch entzündlicher Krankheitsaktivität in der Magnetresonanztomographie (MRT) und Schubaktivität.3 Das mediane Alter bei Studieneinschluss lag bei 41 Jahren, 32 Patienten waren behandlungs-naiv.3 Zu Therapie-Beginn wiesen 62 % der Patienten einen Expanded Disability Status Scale (EDSS)-Wert < 3 auf.3
** Falls klinisch erforderlich, kann die Anwendung von Rebif® während der Schwangerschaft in Betracht gezogen werden.5 Rebif® kann in der Stillzeit angewendet werden.5
*** MAVENCLAD® ist bei schwangeren Frauen kontraindiziert. Eine Schwangerschaft ist vor Behandlungsbeginn in Jahr 1 und Jahr 2 jeweils auszuschließen.6 Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit MAVENCLAD® und mindestens 6 Monate nach der letzten Dosis (in Jahr 2) eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden, um eine Schwangerschaft zu verhindern.6


1 https://www.dmsg.de/ zuletzt abgerufen am 13.07.2020.
2 Giovannoni G et al. Mult Scler Rel Disord.2020;39:102071.
3 Pul R, Kleinschnitz C. Nervenheilkunde.2020;39:153-157.
4 Möhn N et al. Ther Adv Neurol Disord.2019;12:1756286419887596 and Follow-up.
5 REBIF® Fachinformation, aktuelle Fassung.
6 MAVENCLAD® Fachinformation, aktuelle Fassung.

Über Multiple Sklerose
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems und die häufigste nicht traumatische, zu starken Beeinträchtigungen führende neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Die Zahl der weltweit an MS erkrankten Menschen wird auf 2,3 Millionen geschätzt. Die Symptome können unterschiedlich sein, wobei vor allem Sehtrübung, Taubheit oder Kribbeln in den Gliedmaßen sowie Kraftlosigkeit und Koordinationsprobleme auftreten. Am weitesten verbreitet ist die schubförmig verlaufende MS.

Quelle: Fach-Pressemitteilung der Merck Serono GmbH

Hinweis:


Die Vielzahl der MS-Medikamente macht es Betroffenen schwer, den Überblick über die infrage kommenden Medikamente zu erlangen. Daher heißt das Editorial auch überspitzt: Blicken Sie noch durch? – Eine Hilfe für MS-Patienten

Diese Website soll Ihnen behilflich sein, sich einen möglichst vollständigen Durchblick zu verschaffen!

Multiple-sklerose.com richtet sich in erster Linie an Patienten und ihre Angehörige.

Keinesfalls stellt diese Website einen medizinischen Rat oder eine Therapie-Empfehlung dar! Als Apotheker möchte ich die ärztliche Verschreibung bereichern und ergänzen. Generell kommt der Apotheker dem Informationsbedürfnis des Patienten gerne nach. Die Information kann in der Apotheke erfolgen, oder aber auch – wie hier – im Internet.

 

Schlagworte: , ,
Zum Anfang